Stand: 30.09.2017 10:30 Uhr

Surf-Cup-Fans tanzen nicht nur auf der Welle

von Cassandra Arden

Die Partys am Brandenburger Strand während des Windsurf-Weltcups sind legendär. Die Sylter wissen das - und die 200.000 Besucher, die während des zehntägigen Events auf die Insel reisen, wissen das ebenfalls. Die Innenstadt von Westerland ist brechend voll. Die Sonne scheint und überall sitzen die Leute draußen. In "De Kök", mitten in der Fußgängerzone, sind alle Stühle auf der kleinen Terrasse besetzt. Drinnen hängen blau-weiße Fähnchen von der Decke, es dröhnt bayrische Volksmusik bis auf die Straße. Dem Oktoberfest entkommt man auch auf der Insel nicht.

Man trifft sich, man kennt sich - oder lernt sich kennen

Viele Sylter glühen in dem kleinen Laden vor - Amanda Jette Delmare und ihr Freund André Neumann zum Beispiel. Beide arbeiten in der Gastronomie. Amanda muss heute erst um 21 Uhr anfangen. "Aber vorher trifft man sich hier. Das ist einfach so. Zum Surf-Cup kommen gefühlt alle, die das ganze Jahr über auf der Insel waren, nochmal her. Das erste Wochenende ist immer am geilsten", findet sie.

Für die Insel ist der Windsurf-Weltcup die Hochsaison nach der Hochsaison. "Dann kommen noch die Herbstferien und dann sind wir auch echt fertig", sagt André. Er lebt seit 2014 auf Sylt, arbeitet als Koch und Kellner. "Dann freuen wir uns auf den Winter, da haben wir die Insel für uns. Aber jetzt ist erstmal zehn Tage Party angesagt. Es ist einfach eine geile Stimmung. Mann, wenn ich überlege, wie viele Ehen ich hier während des Surf-Cups habe kaputt gehen sehen", berichtet André - und schiebt mit einem Grinsen hinterher: "Aber es gibt auch viele, die hier anfingen."

Viele kommen jedes Jahr

An der Promenade herrscht inzwischen Hochbetrieb. Über die Meile am Brandenburger Strand schlendern Familien, Mädelsgruppen, Paare, Hunde und Kinder. Alle genießen die friedliche und auffallend angenehme Stimmung. Am Ende der Partymeile ist ein riesiges Zelt aufgebaut. Auf einer Bierzeltgarnitur direkt neben dem Eingang sitzt eine kleine Frauengruppe, die sich fröhlich eine Flasche Wein teilt. Veronika, Annette und Ines kommen aus Flensburg, Berlin und Hamburg. Veronika nimmt einen Schluck von ihrem Weißwein und kommt ins Plaudern. "Wir haben uns 2005 auf der Insel kennengelernt, seitdem kommen wir jedes Jahr zum Surfcup her und treffen uns." Die drei wollen auch gleich ins Zelt, aber erst noch gemütlich austrinken. Es wummert der Bass vom Faithless-Song "I can't get no sleep" bis nach draußen.

Drinnen feiern, draußen plaudern

Inzwischen ist das Zelt schon richtig voll. Leute schieben sich durch die Menge, suchen nach ihren Freunden oder nach kalten Getränken. Es wird gerempelt, geschubst, geschoben, sich entschuldigt, zugeprostet, gelacht. Rechts und links neben der Bühne, auf der das DJ-Pult steht, kann das Partyvolk in einen Außenbereich gehen. Raucher wie Nichtraucher schnappen hier dankbar nach Luft.

Tanzen bis die Ärzte kommen - dann wird gegrölt

Miriam und Michaela Meyer sind Zwillinge. Sie reden gerade auf eine rothaarige Frau ein. "Wenn du heiratest, machen wir dir die Haare." Die Frau guckt verwirrt. "Ich will doch gerade gar nicht heiraten", antwortet sie. Die Zwillinge arbeiten selbständig. "Wir machen Kosmetik und Haare." Aber heute sind sie zum Feiern hier. "Die Stimmung ist der Wahnsinn. Dafür, dass so viele Leute hier sind, ist es so friedlich. Klar wird gedrängelt, aber alle sind nett, niemand ist schlecht drauf."

Die Mädelstruppe vor dem Zelt setzt sich in Bewegung, drinnen erklingen die ersten Töne des Ärzte-Songs "Westerland". Vor der Tür des Zeltes fühlt es sich an, als würde man vor einem enorm großen warmen Föhn stehen. Aber die Musik ist es wert - und schließlich sind auch die Gläser der Frauen leer.

Um 23 Uhr ist im Zelt Schluss

Inzwischen ist es proppenvoll. Noch nicht so, dass es von der Decke tropft, aber die Luftfeuchtigkeit ist ziemlich hoch. Es riecht nach vielen verschiedenen Parfums und nach Bier. Ein junger Mann guckt in seine Männerrunde und grölt: "Das ist die schönste Hochzeit, auf der ich je war." Um 23 Uhr ist der Spaß im Zelt vorbei, auch am Strand kehrt Ruhe ein. In Westerland ist aber lange noch nicht Schluss. Bars und Diskotheken füllen sich, die Leute auch.

Westerland im Partymarathon

Amanda Jette Delmare sitzt nicht mehr in "De Kök", sondern verkauft Fischbrötchen und Champagner. Morgen hat sie frei. Dann will sie sich selbst unters Partyvolk am Brandenburger Strand mischen. Denn da wird es nun bis nächstes Wochenende jeden Tag das gleiche Programm geben: erst Surfen, dann Party. 

Zwei Jungs bestellen noch ein Bier. Ihre Freundinnen müssen heute auch arbeiten. "Ach weißt du, es geht eigentlich zu wenig um den Sport. Und irgendwie ist es auch viel Wind um nichts. Aber am Ende, was soll man sagen, am Ende heißt es 'Prost'", sagt einer von ihnen. Der Party-Marathon auf der Insel hat gerade erst begonnen.

So feiern die Surf-Cup-Fans auf Sylt

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 29.09.2017 | 10:30 Uhr

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