Stand: 03.08.2017 10:58 Uhr

Suche nach Endlager: Habeck fordert Solidarität

Bild vergrößern
Robert Habeck rechnet mit einem schwierigen politischen Prozess, betont aber: "Wir haben nicht ewig Zeit."

Das Auswahlverfahren für einen Standort ist allein die Sache des Bundes, aber: Kein Bundesland dürfe sich bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll wegducken, fordert Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne). Alle müssten bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Doch Habeck ist klar, wie schwierig der politische Prozess werden dürfte: "Wenn man sich anschaut, wie aufgeregt über die Rücknahme von 21 Castoren mit hoch radioaktiven Abfällen aus Sellafield diskutiert wurde und wie lange es gebraucht hat, bis auch Bayern sich bereit erklärt hat, welche aufzunehmen, wird deutlich, wie hart die Diskussionen werden."

Schon jetzt strengere Regeln für tiefes Bohren

Der Bund hofft, dass ein Endlager um das Jahr 2050 herum in Betrieb gehen kann. Die Suche nach einem Standort hat bereits jetzt Konsequenzen. Seit Anfang August gelten strengere Regeln für das Bohren im Untergrund. Der Hintergrund: Wer beispielsweise für Erdwärme, Wassergewinnung oder die Suche nach Bodenschätzen tief bohrt, könnte dadurch dichte Gesteinsschichten durchlöchern - und damit unbrauchbar machen für die Lagerung von Atommüll. Das heiße allerdings noch nicht, dass automatisch ein Endlager entstehe, wo nicht gebohrt werden darf, erklärt Habeck.

Gemeinde aus SH geht mit gutem Beispiel voran

Weitere Informationen

Der Streit über die Atomkraft

Störfälle, Pannen, Demonstrationen - im Norden sorgt die Nutzung der Kernenergie seit mehr als 30 Jahren für Schlagzeilen. NDR.de informiert über eine umstrittene Technologie. mehr

Ein kleines Beispiel für die Bereitschaft, Verantwortung zu tragen, komme aus Schleswig-Holstein, sagt Habeck - und verweist auf Wiershop im Kreis Herzogtum Lauenburg. Die Gemeinde hatte sich Ende April als erste bereit erklärt, in ihrer Sondermüll-Deponie Bauschutt zu lagern, der beim Rückbau des Atomkraftwerks Krümmel anfällt. Nach Angaben des Energiewendeministeriums handelt es sich um Abfälle, die so gut wie gar nicht strahlen. Trotz einer atomkritischen Haltung wolle die Gemeinde in diesem Fall helfen, so Habeck: "Dafür verdient sie meinen Dank und Respekt."

Arbeitsgruppe mit Umweltschützern und AKW-Betreibern

Doch Wiershop ist die große Ausnahme: Insgesamt gibt es auch für den Umgang mit Rückbauabfällen, die als nicht radioaktiv belastet eingestuft werden, laut Habeck noch keine Lösung. Sein Ministerium habe deshalb eine Arbeitsgruppe mit Umweltverbänden, Deponie- und Atomkraftwerksbetreibern und Vertretern der Kommunalverbände ins Leben gerufen. Ziel sei es, realistische Optionen zu bekommen. "Wir haben ja nicht ewig Zeit", sagt der Energiewendeminister des nördlichsten Bundeslandes. Das gilt auch für das noch weitaus größere Problem: die Suche nach einem Endlager.

Weitere Informationen

Wie steht es um die Atomkraftwerke im Norden?

Seit 2011 ist klar: Alle deutschen Atomkraftwerke gehen vom Netz. Im Norden sind noch nicht alle abgeschaltet. Welche AKW laufen noch, welche werden schon abgebaut? Ein Überblick. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.04.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:48

Gartenabfälle: Wohin mit dem alten Grünzeug?

21.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:54

Geflügelpest: Bauern leiden unter Folgekosten

21.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin