Stand: 01.03.2016 05:00 Uhr

Strompreis klettert stetig nach oben

von Thorsten Philipps
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Jeder dritte Stromversorger in Schleswig-Holstein erhöht in diesem Jahr die Preise.

Seit Dienstag müssen Stromkunden der Stadtwerke Tornesch mehr zahlen. Andere Stadtwerke heben zum 1. April die Preise an, zum Beispiel die in Glückstadt und Schleswig. Auch für Verbraucher in vielen anderen Orten in Schleswig-Holstein wird Strom um bis zu acht Prozent teurer. Insgesamt 15 Stromanbieter erhöhen ihre Strompreise in diesem Jahr oder haben es bereits getan. Das ergab eine Umfrage von NDR 1 Welle Nord und NDR.de. Der Preisanstieg liegt insgesamt beim Arbeitspreis durchschnittlich zwischen 0,2 Cent und 1,99 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 2.500 Kilowattstunden bedeutet das Mehrkosten von umgerechnet 5 bis 67 Euro jährlich.

Karte: Grundversorgungstarife der Stadtwerke

E.ON Energie erhöht um acht Prozent

Der größte Stromversorger in der Grundversorgung, E.ON Energie, erhöht die Preise zum 1. April um acht Prozent. "Dafür haben wir drei Jahre lang nicht erhöht", so E.ON-Sprecher Maximilian Heiler. Zum gleichen Datum erhöhen die Schleswiger Stadtwerke ihre Preise in der Grundversorgung: Beim Arbeitspreis von 28,59 auf 29,20 Cent je Kilowattstunde - beim fixen Grundpreis von 71,02 auf 76,02 Euro pro Jahr: Das macht 20 Euro pro Jahr mehr für einen Haushalt, der 2.500 Kilowattstunden verbraucht.

Umlagen steigen und treiben Preise hoch

Im Durchschnitt machen die Preiserhöhungen in Schleswig-Holstein 3,1 Prozent aus. Der Verband der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft (VSHEW) weist darauf hin, dass die Preise bei den meisten Stadtwerken stabil geblieben seien. Doch die Aussichten für die kommenden Jahre seien wenig elektrisierend. Staatliche Umlagen und Abgaben steigen und treiben die Preise nach oben - unter anderem die Netzentgelte. Deshalb drängen einige Versorger wie die Stadtwerke Plön darauf, das Niederspannungsnetz von E.ON zu übernehmen und selber zum Grundversorger zu werden. Die Stadtwerke Brunsbüttel haben das zum Jahreswechsel bereits getan. Sie erhoffen sich durch diese Rekommunalisierung geringere Netzentgelte.

Auch Netzentgelte steigen

Beim Hauptgrund für den Anstieg sind sich die Sprecher von E.ON und den Schleswiger Stadtwerken aber nicht ganz einig. Für E.ON ist der Anstieg der staatlichen Umlagen neben dem Anstieg der Netzentgelte ein Grund. Doch das sieht der Sprecher der Schleswiger Stadtwerke anders: "Wir hätten den Preis wegen der Umlagen nicht erhöhen müssen, weil wir geringere Beschaffungskosten beim Stromeinkauf hatten - es lag letztlich an den höheren Netzentgelten." Bei den Gemeindewerken Halstenbek, die zum 15. April die Preise erhöhen wollen, fiel der Anstieg der Netzentgelte dagegen nicht so stark ins Gewicht wie die Erhöhung anderer Umlagen.

Sowohl die Stadtwerke Neustadt als auch E.ON erhöhen in diesem Jahr die Preise - allerdings unterschiedlich stark. Bei einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden müssen Kunden der Stadtwerke Neustadt 7,41 Euro im Jahr mehr zahlen, Kunden von E.ON hingegen 87,85 Euro.

Netzentgelte sind rund ein Viertel des Endkundenpreises

Eigentlich purzeln die Strompreise seit Jahren. Genauer gesagt: Der Strom kostet an den Börsen für die Versorger heute nur noch ein Drittel des Preises, den sie noch 2010 für 1.000 Kilowattstunden zahlen mussten. Dennoch steigen die Preise für die Endverbraucher weiter. Ove Struck von der Schleswig-Holstein Netz AG, die 90 Prozent der Netze im Land betreibt, bestätigt, dass die Netzentgelte rund ein Viertel des Endkundenpreises ausmachen - also 9,1 Cent pro Kilowattstunde bei einem Durchschnitts-Privatkunden. Das sei ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2015, so Struck.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.03.2016 | 06:00 Uhr