Stand: 11.08.2017 05:00 Uhr

Strandgebühren: Geld für Sand am Meer

von Sebastian Parzanny

Familien mit Kindern, Paare mit Hunden und junge Leute mit Surfbrettern: Wenn die Sonne über Sylt scheint, wird die Schlange schnell lang vor dem Kontrollhäuschen, in dem Angelika Debel sitzt. Die Frau mit der Brille kassiert die Strandgebühren von Tagesgästen an einem Westerländer Strandübergang. Außerdem kontrolliert sie die Gästekarten, die die Besucher, die länger bleiben, von ihren Vermietern ausgestellt bekommen. Sie hat Spaß an ihrem Job, erzählt sie. Sie grüßt nett, kommt mit vielen Gästen ins Gespräch.

Kostenpflichtige Strände in Schleswig-Holstein

"Manchmal gibt es Diskussionen"

In Westerland kostet das "Eintrittsgeld" für den Strand vier Euro. Manchmal sorgt das für Unmut: "Es gibt Menschen, die regen sich auf. Dann gibt es Diskussionen. Aber letzlich akzeptieren es fast alle. Nur selten laufen Menschen einfach so durch die Kontrolle."

Angelika Debel bleibt dann übrigens in ihrer Hütte sitzen. Hinterherrennen gehört nicht zu ihrem Job. Kollegen von ihr kontrollieren später stichprobenartig am Strand, ob jeder ein Ticket bei sich hat. Wer nicht gezahlt hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss ein Bußgeld zahlen. Das beträgt in vielen Gemeinden Schleswig-Holsteins das Doppelte der eigentlichen Gebühr.

Gebühren sind völlig unterschiedlich

Mit 4 Euro für einen Strandbesuch ist es auf Sylt am teuersten. Doch auch in vielen anderen Küstenorten im Land müssen Gäste tief in die Tasche greifen: In Travemünde müssen Gäste 2,80 Euro bezahlen und in St. Peter Ording 3 Euro. In Laboe (Kreis Plön) an der Kieler Förde zahlen die Tagesgäste an einem Automaten 2,50.

"Ich finde, das ist wirklich happig", zischt eine Besucherin, während sie in der Schlange ihre Geldbörse zückt und das Kleingeld zählt. "Andererseits ist man bereit zu zahlen, wenn der Strand schön sauber ist", sagt ein Mann, der gerade Geld in den Automaten wirft.

Geld für Bänke, Straßen und Kinderbetreuung

Die Gemeinden an den Küsten stecken das Geld, das sie durch die Gebühren einnehmen, tatsächlich nicht nur in die Pflege des Strände: Sitzbänke an der Promenade, Konzerte am Abend und in einigen Orten sogar eine Kinderbetreuung werden von den Gebühren finanziert.

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Seine Gemeinde könne die Ausgaben für touristische Infrastruktur ohne die Gebühren nicht tragen, sagt Alexander Orth Bürgermeister von Heikendorf .

Nicht jeder Tagesgast hat Verständnis dafür. "Schließlich will ich ja nur kurz an den Strand und nicht auf ein Konzert", argumentiert ein Gast. Besonders wichtig ist die Gebühr für die Gemeinden aber, wenn Großinvestitionen anstehen, wie zum Beispiel nach dieser Saison in Heikendorf bei Kiel. "Wir bauen eine neue Promenade für insgesamt 1,3 Millionen Euro", sagt Bürgermeister Alexander Orth. Teilweise werde der Bau durch die Gebühren finanziert. Da sich eine kleine Gemeinde wie Heikendorf die touristische Infrastruktur sonst gar nicht leisten könne, sei die Abgabe der Besucher unverzichtbar, findet Orth.

Es geht auch anders

Doch es gibt auch ein anderes Modell: Die Stadt Eckernförde hat die Gebühren für die Strandnutzung vor neun Jahren komplett abgeschafft. "Seitdem zahlen die, die profitieren", sagt der Geschäftsführer der Eckernförde Touristik & Marketing GmbH, Stefan Borgmann. Unternehmen, Gastronomen, Hoteliers oder auch Einzelhändler zahlen 5,4 Prozent ihrer Einnahmen. Trotzdem beschwert sich nach Angaben des Tourismuschefs niemand, denn es kommen mehr Tagesgäste als vorher. Im Moment sind es 1,7 Millionen Menschen im Jahr. Sie lassen natürlich Geld für Pommes, Eis oder Sonnencreme in Eckernförde. Offenbar mehr als vorher, Zahlen gibt es dazu aber keine.

Das "Eckernförder Modell" wäre ein Imagegewinn

Im Tourismusministerium in Kiel gilt das "Eckernförder Modell" als gute Alternative. "Am liebsten würden wir die Gebühren komplett abschaffen,. Das wäre eine super Werbung für Schleswig-Holstein", sagt Ministeriumssprecher Harald Haase. Allerdings bezeichnet er das Vorhaben als "Vision" und "dickes Brett, das gebohrt werden muss". Das Problem: Das Land kann den Gemeinden nicht vorgeben, die Gebühren abzuschaffen und zudem vermutet er, dass die Akteure vor Ort sich häufig nicht einig würden.

Klage aus Niedersachsen wird vorbereitet

Möglicherweise hat sich das Thema bald auf eine ganz andere Weise erledigt: In der Nähe von Wilhelmshaven in Niedersachsen gibt es eine Bürgerinitiative, die seit Jahren gegen Strandgebühren mobil macht. Unter anderem gab es Demonstrationen an der Nordsee. Nun klagt der Initiator Janto Just aus Schortens vor dem Bundesverwaltungsgericht: "Wir wollen erreichen, dass mindestens die Hälfte aller Strände für Besucher gratis sein müssen. Schließlich kostet es ja auch nichts, in den Wald zu gehen", so sein Argument.

Im vergangenen Jahr war Just vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht gescheitert. Trotzdem glaubt er diesmal fest an einen Sieg. Er geht davon aus, dass das auch Auswirkungen auf die Strandgebühren in Schleswig-Holstein hätte.

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11 Bilder

Ruhige Strände an Nord- und Ostsee

Sich an überfüllten Stränden drängeln? Das muss nicht sein. Zwischen Norderney und dem Stettiner Haff liegen zahlreiche ruhige Küstenabschnitte. Bildergalerie

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.08.2017 | 07:00 Uhr

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