Stand: 07.03.2016 17:21 Uhr

Straftaten-Bilanz: Immer mehr Einbrüche

Die Zahl der Straftaten in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr fast gleich geblieben. Bei 202.598 Delikten stieg die registrierte Kriminalität minimal um 0,1 Prozent, wie Innenminister Stefan Studt (SPD) am Montag bei der Vorstellung der neuen Kriminalstatistik in Kiel sagte. Bei den Einbrüchen gab es hingegen einen deutlichen Zuwachs: 8.456 Fälle im vergangenen Jahr. Das sind 12,3 Prozent mehr als 2014. Die Aufklärungsquote fiel in diesem Bereich von 12,6 auf 8,9 Prozent. Insgesamt wurden 52,1 Prozent aller Straftaten aufgeklärt. "Der Wohnungseinbruchsdiebstahl ist eines der Hauptprobleme im Land", sagte Studt und versprach: "Die polizeiliche Einsatz- und Ermittlungsarbeit in diesem Bereich wird weiter intensiviert."

Weniger schwere Straftaten

Bei Gewaltdelikten zeigt die Statistik einen leichten Rückgang um 5,6 Prozent. Den stärksten Rückgang gab es bei Mord und Totschlag. Hier sank die Zahl um 16,5 Prozent. Wegen der starken Zuwanderung von Flüchtlingen im vergangenen Jahr gab es bei den Straftaten gegen das Aufenthalts-, Asylverfahrens- und das EU-Freizügigkeitsgesetz den größten Anstieg. Die Zahl stieg um mehr als zwei Drittel auf 13.165 Fälle. Das ist auch ein Grund für mehr Tatverdächtige mit Migrationshintergund - insgesamt waren es im vergangenen Jahr 7.191, ein Zuwachs von 40,9 Prozent.

Studt: Sicherheitslage weiterhin gut

"Schleswig-Holstein ist und bleibt ein sicheres Land", sagte der Innenminister Stefan Studt im Interview mit NDR 1 Welle Nord. Gleichwohl sei ihm bewusst, dass einzelne schwere Straftaten oder auch bestimmte Serientaten ein allgemeines Unsicherheitsgefühl verstärkten. Die Kriminalstatistik zeige jedoch, dass die objektive Sicherheitslage weiterhin gut sei. Von den Grünen heißt es dazu: "Auch wenn es der CDU nicht gefallen wird, mit den Worten des Innenministers lässt sich die gerade vorgestellte Kriminalstatistik 2015 treffend zusammenfassen."

Opposition kritisiert Verhalten der Regierung

"SPD, Grüne und SSW haben den Anstieg der Einbruchskriminalität im vergangenen Jahr viel zu lange ignoriert. Erst nach massivem öffentlichem Druck wurde das Problem überhaupt zur Kenntnis genommen. Nun muss alles getan werden, um die Banden dingfest zu machen", sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Axel Bernstein. "Eine Aufklärungsquote von unter neun Prozent ist ein klarer Beleg, dass in diesem Bereich viel zu wenig getan wird. Das ist auch den Opfern nicht zu vermitteln und muss besser werden", so Bernstein. Für den FDP-Abgeordneten Ekkehard Klug wirkt der Minister "angesichts der wachsenden Zahl von Wohnungseinbrüchen phänomenal ratlos". Die Statistik sei "kein Grund für Alarmismus oder Hysterie", sagte Patrick Breyer von der Piraten-Partei. "Eine polizeiliche Arbeitsstatistik sagt nichts über die Entwicklung der Gesamtkriminalität in unserem Land aus. Repräsentative Opferbefragungen sind aufschlussreicher", so Breyer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.03.2016 | 16:00 Uhr