Stand: 21.07.2016 20:21 Uhr

Spur 1.218 bringt die Ermittler ans Ziel

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Die Ermittler entschlüsselten die DNA aus Sperma vom Tatort.

Es ist eine Entwicklung, die kaum jemand für möglich gehalten hatte. Ziemlich genau 34 Jahre nach dem Tod der Rentnerin Erna Ganz in Schleswig finden die Beamten der Flensburger Mordkommission den mutmaßlichen Täter. Seit 2012 beschäftigt sie der Fall wieder. Damals schauten sich Kriminaltechniker die Beweismittel vom Tatort noch einmal ganz genau an. Sie fanden tatsächlich eine verwertbare DNA-Spur, die aus Sicht der Ermittler zweifelsfrei zum Täter gehörte. Es war eine Sperma-Spur.

Bringt ein Massen-Gentest den Erfolg?

Die Ermittler starten eine DNA-Reihenuntersuchung. Weit über 1.000 Personen passen in das Raster der Beamten. Sie laden diejeningen ein, die in der Nähe des Opfers wohnen und zum Tatzeitpunkt ein bestimmtes Alter hatten. Im Juni 2013 entnehmen sie an einem Wochenende die ersten 700 Speichelproben. Ein Treffer ist nicht dabei. "Wir waren uns sicher, dass wir mit der DNA den Fall irgendwann aufklären können", sagt Ulf Petersen, Leiter der Mordkommission Flensburg. Er und seine Kollegen konzentrieren sich nun auf die Personen aus dem Raster, die nicht freiwillig erschienen waren oder inzwischen woanders wohnen. Bis zum 14. Juli 2016 überprüfen sie exakt 1.217 DNA-Profile - ohne Erfolg.

Mann aus Ostholstein taucht ab

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In diesem Haus in Schleswig wohnten Opfer und mutmaßlicher Täter zwischenzeitlich unter einem Dach.

Die Ermittler rufen den nächsten auf ihrer Liste an. Einen Mann, der als Kind bis 1980 in demselben Haus wie Erna Ganz wohnte und inzwischen im Kreis Ostholstein lebt. "Der aktuelle Wohnort war nicht so einfach zu ermitteln", sagt Kriminalhauptkommissarin Susanne Jager, die den Fall bei der Mordkommission bearbeitet. Der Mann ist inzwischen 51 Jahre alt, berufstätig und hat Familie. Er willigt ein, an seinem Wohnort eine Speichelprobe abzugeben. Doch bevor die Beamten die Spur 1.218 eintüten können, kommt eine Überraschung: Personen, die den Mann näher kennen, melden sich bei der Polizei. "Vergangenen Donnerstag hat er in seinem Umfeld eine Nachricht verschickt, aus der hervorging, dass er möglicherweise für das Delikt verantwortlich ist", sagt Jager.

Festnahme in Saarbrücken

Die Beamten vermuten, dass der Mann auf der Flucht ist - womöglich Richtung Frankreich. In der Nachricht schreibt er auch, er wolle sich das Leben nehmen. Sie fahnden nach ihm. In Saarbrücken im Saarland - etwa 700 Kilometer von seinem Wohnort entfernt - können Polizisten den Mann am vergangenen Donnerstag in den späten Abendstunden festnehmen. Ein DNA-Abgleich bestätigt: Es handelt sich um den gesuchten Mann. Beamte der Flensburger Mordkommission fahren ins Saarland. Bei einer Vernehmung dort räumt der Mann ein, Erna Ganz umgebracht zu haben. Er gibt an, bei der Frau nach Wertsachen gesucht zu haben, um seine damalige Drogensucht zu finanzieren. "Für solche Momente sind wir Polizisten geworden", sagt Mathias Engelmann, Leiter der Bezirkskriminalinspektion Flensburg. Ein Sexualdelikt streitet der mutmaßliche Täter ab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.07.2016 | 22:00 Uhr

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