Stand: 09.09.2017 12:42 Uhr

Seehunde: Mit dem Peilsender durch die Nordsee

Wie verhalten sich Seehunde in freier Wildbahn, die in einer Seehundstation aufgezogen wurden? Das wollen jetzt Wissenschaftler der Universität Kiel untersuchen. Zwölf Seehunde wurden dafür mit einem Peilsender ausgestattet und schwimmen damit in der Nordsee. Ein Jahr lang sollen sie damit Daten darüber liefern, wo ihre Lieblingsplätze sind. "Wir wollen untersuchen, wie sich junge Seehunde, die in einer Seehundstation aufgezogen wurden, in freier Wildbahn verhalten", sagt Projektleiterin Verena Peschko vom Büsumer Forschungs- und Technologiezentrum Westküste.

Unter Beobachtung: Seehunde auf dem Weg in die Freiheit

Seehunde haben bedeutende Rolle fürs Ökosystem

Insgesamt wollen die Wissenschaftler acht sogenannten Heulern mit Hightech auf die Spur kommen. Drei von ihren Müttern verlassene Tiere wurden in der Seehundstation Friedrichskoog aufgepäppelt, fünf im niedersächsischen Nationalpark-Haus Norddeich. Dazu kommen als Kontrollgruppe vier wild aufgewachsene Seehunde von Helgoland. Weil der Seehund die am häufigsten vorkommende Robbenart im Wattenmeer ist, hat er eine bedeutende Rolle im Ökosystem Wattenmeer. "Denn der Seehund ist ein Top-Prädator - also das Ende der Nahrungskette im Meer", sagt die Biologin.

Daten dienen Windparks und Schifffahrtswegen

Das Projekt soll nun klären, ob sich die Robben wie ihre wilden Artgenossen verhalten. "Entsprechende Kenntnisse sind jedoch grundlegend, um die Wiedereingliederung der Tiere beobachten und den langfristigen Erfolg der Rehabilitation einschätzen zu können", erklärt Peschko. Aber auch eine grundsätzliche Funktion hat dieses Projekt: Denn durch die Daten können die Wissenschaftler auswerten, wo sich Seehunde grundsätzlich am liebsten aufhalten. Das hilft später bei der Entscheidung, wo Windparks errichtet werden oder neue Schifffahrtswege längs führen sollen.

Auch Kegelrobben untersucht

Vor einigen Jahren gab es bereits ein ähnliches Projekt mit Kegelrobben. Die Tiere, die in menschlicher Obhut aufgewachsen sind, haben sich vorwiegend in küstennahen Regionen aufgehalten, während die Wildtiere weiter raus schwammen, erklärt Peschko. Sie wussten nicht, wie weit sie schwimmen mussten, um satt zu werden. Ansonsten verhielten sich die Kegelrobben ihren wilden Artgenossen aber sehr ähnlich.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein bis 2 | 09.09.2017 | 13:20 Uhr

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