Stand: 03.07.2015 21:04 Uhr

Schweres Geschütz: Behörden ermitteln

Rampen, Zugseile, zwei Bergepanzer vom Typ "Dachs": Rund neun Stunden brauchten die Pioniere. In dieser Zeit bugsierten sie das knapp 40 Tonnen schwere Kriegsgerät erst um zwei Ecken und eine steile Auffahrt hoch. Erst dann konnten die zum Teil seit Stunden ausharrenden Schaulustigen den Weltkriegspanzer vom Typ "Panther" aus der Kellergarage einer Villa in Heikendorf (Kreis Plön) sehen. Doch damit nicht genug - am späten Donnerstagabend stellten sie auch noch ein 8,8-Zentimeter-Flakgeschütz des 78 Jahre alten Finanzmanagers sicher. Den Kampfpanzer transportierten die Einsatzkräfte noch am Abend per Tieflader zum Truppenübungsplatz Putlos im Kreis Ostholstein. Die Soldaten waren von Polizei und Staatsanwaltschaft angefordert worden. Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Heikendorfer wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Unterirdische Halle aus mehreren Ebenen

Von dem Haus des Sammlers ist landseitig von öffentlich zugänglichem Gelände nicht viel zu sehen. Die Villa liegt direkt an einem Privatweg. Der Keller soll aus mehreren Ebenen bestehen. Das Grundstück liegt direkt an der Förde. Eine Betonmauer und eine Stacheldraht-Krone direkt am Strand schützen vor neugierigen Blicken. Nachbarn berichten davon, dass der Hausherr schon vor 30 Jahren mit einem weiteren Kettenfahrzeug durch die Straße gefahren sei. Außerdem erzählen sie, dass sich unter der Villa ein Bunker befindet.

Spleen oder Straftat?

Hortete der spleenige Militaria-Sammler tatsächlich gefährliche Kriegswaffen auf seinem Grundstück oder ist dem 78-Jährigen nichts vorzuwerfen? In Kommentaren werfen Leser immer wieder die Frage auf, ob die Behörden möglicherweise überreagiert haben. Die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß weist dies zurück. "Der Staatsanwaltschaft Kiel liegen keine Genehmigungen vor, die zum Besitz der beschlagnahmten Objekte berechtigen würden", sagte sie am Freitag NDR 1 Welle Nord. Im Gegensatz zu den gefundenen Pistolen, Revolvern und Gewehren: Sie sind beim Kreis Plön ordnungsgemäß registriert.

Kreis erfuhr 2005 von dem Panzer

Wegen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen will der Kreis Plön nun prüfen, ob der Heikendorfer noch zuverlässig genug ist, die Waffen zu besitzen. Deshalb seien diese auch erst einmal mitgenommen worden, sagte Kreissprecher Hendrik Schwinghammer. Nach seinen Worten erfuhr der Kreis erstmals vor 10 Jahren davon, dass der Mann einen Panzer im Keller stehen hat. "Der Betroffene hat uns damals im Schriftverkehr glaubhaft machen können, dass das soweit alles in Ordnung ist mit dem Panzerfahrzeug, das sich dort auf dem Grundstück befand, so dass wir keine Veranlassung hatten, dort weiter tätig zu werden." Nach Informationen von NDR 1 Welle Nord liegt dem Kreis jedoch bis heute keine Bescheinigung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz vor. Offenbar reichte dem damaligen Sachbearbeiter ein auf den 20. Oktober 1977 datiertes Schreiben des Bundesamtes für gewerbliche Wirtschaft. Aber auch das ist nicht eindeutig: In dem Schreiben werden zur Beurteilung, ob es sich bei dem Panzer um ein Sammlerstück oder um Kriegsgerät handelt von der Behörde weitere Unterlagen angefordert: ob das jemals passiert ist, muss noch geprüft werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.07.2015 | 16:00 Uhr