Sendedatum: 27.06.2017 13:10 Uhr

"Bonirob": Möhre oder Unkraut?

Ganz langsam rollt der Unkraut-Roboter "Bonirob" auf seinen dicken Gummireifen über ein riesiges Feld von Möhren und sucht nach Unkraut. Drei Jahre hat ein Studententeam der Fachhochschule Westküste ihn trainiert. Eine unglaubliche Fleißarbeit von Florian Knoll und seinen Mitstreitern. "Wir haben unzählige Fotos gemacht, von Hand aussortiert und ihm dann vorgelegt: Das ist eine Möhre, das ist Unkraut. Und inzwischen erkennt er den Unterschied zu 99,9 Prozent." Das ist wichtig, denn die anderen Pflanzen können den Möhren zum Verhängnis werden. Knöterich, Kamille oder Vogelmire würden den sensiblen Möhren früher oder später das Licht und die Nährstoffe wegnehmen.

Unkrautjäten- eine teure Angelegenheit

Acht Hektar ist dieses Feld am Eidersperrwerk groß - und es ist nicht das Einzige. Es gehört der Gesellschaft Westhof Bio aus Friedrichsgabekoog (Kreis Dithmarschen), einem der größten Möhrenproduzenten in Norddeutschland. 160 Hektar Möhren bewirtschaftet das Unternehmen. Und für einen Hektar sind zweimal 70 Arbeitsstunden fürs Unkrautzupfen notwendig. Kosten allein dafür: mehr als 210.000 Euro pro Saison. "Außerdem wird es immer schwerer, Leute für diese Knochenarbeit zu finden. Stellen sie sich mal acht bis zehn Stunden in gebückter Haltung auf so ein Feld und zupfen Unkraut. Da wissen sie, was sie am Abend getan haben!" sagt Paul Heinrich Dörscher, einer der Geschäftsführer des Unternehmens. Er kann sich durchaus vorstellen, dass eines Tages so ein "Bonirob" über seine Felder fährt.

Der nächste Schritt: Unkraut beseitigen

"Bonirob" arbeitet nach einem einfachen, aber wirkungsvollen Prinzip: Alles, was wie Möhrenkraut aussieht, ist gut, alles andere gehört da nicht hin. Erkennen kann er es, doch wie soll er künftig das ungeliebte Grünzeug beseitigen? "Da sind wir uns noch nicht so schlüssig. Es gibt mehrere Möglichkeiten," sagt Florian Knoll. "Da wir riesige Flächen bearbeiten müssen, darf die Mechanik etwa eines Stempels, der das Unkraut in den Boden drückt, nicht zu kompliziert sein. Dann geht er kaputt. Denkbar wäre auch, dass ein Laserstrahl die Pflanze verbrennt, nachdem der Roboter sie als Unkraut erkannt hat." Das ist der nächste Schritt, dem sie sich widmen müssen, erst dann ist "Bonirob" einsatzbereit.

"Bonirob" ist nicht die letzte Vision für die Zukunft

"Wir denken schon über "Bonirob" hinaus: Dieser Prototyp kontrolliert nur eine Reihe Möhren, denkbar wären acht auf einmal. Die Roboter könnten zudem kleiner sein und hinter einem Trecker hergezogen werden." Die wären dann günstiger in der Anschaffung. Und wer Science Fiction liebt, den wird diese Idee von Florian Knoll erfreuen: "Was wäre, wenn eine ganz Armee von kleinen Roboterspinnen übers Feld jagt und das Unkraut bekämpfen würde? Bezahlbar - und sicher bald auch machbar ..."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein bis 2 | 27.06.2017 | 13:10 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:25

Wer kauft die HSH Nordbank?

23.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
01:42

Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt in Armut

23.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:48

Streit um Straßenbaubeiträge

23.10.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin