Stand: 29.01.2016 16:17 Uhr

Razzia: Schummel-Software in Spielautomaten

Bei einer Razzia in Schleswig-Holstein und acht weiteren Bundesländern waren am Donnerstag 650 Polizisten im Einsatz. Sie durchsuchten 114 Wohn- und Geschäftsräume wegen des Verdachts auf Manipulation von Spielautomaten in Deutschland. Einer der Hauptverdächtigen wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Kiel verhaftet, teilte das Landeskriminalamt (LKA) am Freitag mit.

Weniger Gewinne und Steuerbetrug

Der verhaftete Mann soll im Ausland eine Software gekauft, verändert und dann federführend an Automatenaufsteller und Spielhallenbetreiber in ganz Deutschland vertrieben haben, sagte ein LKA-Sprecher. Die Durchsuchungen hätten sich sowohl gegen die Vertreiber als auch die Nutzer der Manipulationssoftware gerichtet. Seit Jahren soll die Tätergruppe bundesweit agiert und sich "erhebliche Gewinne" verschafft haben. Geldautomaten, auf denen die Software installiert ist, zahlen weniger Gewinne an die Spieler aus. Außerdem kann die Software die Ergebnisse der Geräte nach unten manipulieren, so dass die Steuerhöhe des Spielautomatenaufstellers sinke, hieß es vom LKA.

Beweismittel: Speichermedien mit Manipulationssoftware

Zur Höhe der erzielten Gewinne machte das LKA zunächst keine Angaben. Alle Beweise müssten nun gesichtet und dann bewertet werden. In Schleswig-Holstein hatten die Polizisten unter anderem zwei scharfe Schusswaffen beschlagnahmt. In allen betroffenen Bundesländern seien umfangreiche Beweismittel sichergestellt worden. Nach LKA-Angaben gehören dazu Speichermedien mit der Manipulationssoftware für Geldspielautomaten.

Hersteller: Geräte "mit aktuellem Softwarestand" nicht betroffen

Der Geräte-Hersteller Löwen Entertainment in Bingen (Rheinland-Pfalz) teilte mit, nur durch die enge Zusammenarbeit des Unternehmens mit dem Landeskriminalamt Schleswig-Holstein sei "ein weiterer Schlag gegen die organisierte Kriminalität möglich" geworden. "Ähnlich wie bereits in anderen Fällen in der Vergangenheit war nur dort, wo Spielhallenbetreiber illegal mit dem Manipulateur kooperiert haben, die rechtswidrige Manipulation der Geldgewinnspielgeräte überhaupt möglich geworden." Geräte des Unternehmens "mit dem aktuellen Softwarestand" seien von derartigen Manipulationsversuchen nicht betroffen. Die Firma äußerte sich nicht explizit dazu, ob Geräte mit älterer Software von Kriminellen manipuliert wurden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.01.2016 | 13:00 Uhr