Stand: 26.01.2016 15:14 Uhr

Prozess: Mutmaßlicher Serientäter beklagt Mobbing

Bild vergrößern
Wieder ein Fall für die Richter: Zum wiederholten Mal steht ein junger Mann aus Rellingen vor Gericht.

Er soll unter anderem drei Brände gelegt und zahlreiche Autoreifen zerstochen haben: Ein 27-Jähriger aus Rellingen (Kreis Pinneberg) muss sich seit Dienstag vor dem Amtsgericht Itzehoe verantworten. Es geht um zwei Anklagen und insgesamt zwölf Taten. Er soll auch vorgetäuscht haben, Opfer einer Straftat gewesen zu sein. Zum Auftakt ließ der Mann von seinem Pflichtverteidiger zwei Stellungnahmen verlesen. Darin stellte er sich als Opfer von Mobbing und Ausgrenzung dar. Polizei, Staatsanwaltschaft und Medien warf er vor, voreingenommen gegen ihn zu sein. Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht konkret. Mit den einzelnen Anklagepunkten will sich das Gericht in den kommenden Verhandlungstagen genauer befassen. Knapp 30 Zeugen und ein psychiatrischer Gutachter sind geladen. Das Urteil wird Ende Februar erwartet. Der Angeklagte sitzt zurzeit in Itzehoe in Untersuchungshaft.

Weitere Verfahren laufen

Für Polizei und Justiz ist der Mann ein "alter Bekannter": Im vergangenen Jahr war der 27-Jährige wegen Brandstiftung bereits zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht: Sein Anwalt ging in Revision, das Oberlandesgericht hat darüber noch nicht entschieden. Doch im Jahr 2007 war der Mann schon einmal wegen Brandstiftung sowie Sachbeschädigung und Körperverletzung verurteilt worden. Seit heute muss sich der 27-Jährige erneut vor dem Schöffengericht Itzehoe verantworten. Wieder einmal geht es um mehrfache Sachbeschädigung und um weitere Brandlegungen.

27-Jähriger war schon in der Psychiatrie

2007 befanden ihn die Richter für schuldig, zusammen mit einem Komplizen für Brandstiftungen, Buttersäure-Anschläge, und Reifenstechereien in Rellingen verantwortlich gewesen zu sein. Ein Gutachter hatte dem Mann damals eine schwere Persönlichkeitsstörung bescheinigt - deshalb kam er in die Psychiatrie. 2013 wurde er entlassen. Den beiden Männern war auch vorgeworfen worden, einen Sprengstoffanschlag auf das Rellinger Apfelfest 2007 geplant zu haben. In diesem Punkt wurden sie aber freigesprochen.

Immer wieder die Frage der Schuldfähigkeit

Auch bei dem Prozess 2014 ging es um die entscheidende Frage, ob der Rellinger Brandstifter überhaupt schuldfähig ist. Ein Gutachter sagte damals, der Angeklagte habe zwar eine Persönlichkeitsstörung, sei aber fähig zu manipulieren und wisse, was er tue. Der Psychiater bestätigte deshalb die volle Schuldfähigkeit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.01.2016 | 14:00 Uhr