Stand: 28.03.2016 09:53 Uhr

Sechs Prothesen fürs Leben

Laurin Walther fährt Skateboard mit seinen Freunden, er klettert. Wer würde glauben, dass das mit einer Prothese so gut funktioniert? Der 13 Jahre alte Junge mit der schwarzen Brille und den blonden kurzen Haaren hat das Leben mit einem künstlichen Bein vor viereinhalb Jahren lernen müssen. Seine Mutter, Silke Atzeni-Walther, erinnert sich: "Er ist bei grün über die Fußgängerampel gegangen. Und wurde dann vom Lkw erfasst. Der Lkw parkte auf Laurin. Es war katastrophal". Das linke Bein wurde bei dem Unfall komplett abgetrennt. "Das rechte Bein konnten die Ärzte retten, aber da sind auch große Narben", erzählt die Mutter.

Wie ein 13-Jähriger seine Behinderung meistert

Immer noch stechende Schmerzen

Laurin kommt aus der Schule. Andere würden nun vielleicht erstmal ihre Hausaufgaben machen. Der 13-jährige Gymnasiast muss seine Schmerzen in eine Art Tagebuch eintragen. Er kringelt auf vorgezeichneten Figuren ein, an welcher Stelle des Körpers er Schmerzen spürt: Nackenschmerzen, Rückenschmerzen. Es sind die Spätfolgen des schrecklichen Unfalls. Laurin versucht, die Rückenschmerzen zu beschreiben: "Es ist so ein stechender Schmerz - oder wie wenn man einen Elektrozaun durchgehend anfasst" Der Schmerz komme plötzlich und heftig.

Passt die neue Prothese?

In der Technischen Orthopädie in Lübeck sind Laurin und seine Eltern Dauergast. Immer, wenn er einen Wachstumsschub hatte, bekommt er eine neue Prothese - oder wenn mal wieder eine beim Sport kaputt gegangen ist. Für Außenstehende wohl ein gewöhnungsbedürftiges Bild. Laurin hopst auf seinem gesunden rechten Bein und kickt mit seinem linken Beinstumpf ein Prothesenteil zwei Meter weit zu seinem wartenden Vater, Axel Walther. Hin und her - der nächste Pass misslingt - Laurin pfeffert aus Versehen die Prothese quer durch den Raum - und muss lachen. Nun wird es spannend. Passt die neue Prothese? Laurin setzt sie mit geübten Griffen auf seinen Stumpf: Ein froschgrüner Silikonschaft, an dem das Hydraulik-Gelenk mit Unterschenkel-Teil und dem schwarzen Federfuß angebracht sind. Jetzt geht der 13-Jährige ein paar Probeschritte.

Alle ein bis zwei Wochen muss nachjustiert werden

Sechs Prothesen hat Laurin im Moment. Alle sind handgefertigt und individuell auf seine Bedürfnisse abgestimmt. Eine kostet bis zu 12.000 Euro. Laurin ist nach der Anprobe kritisch: "Die Prothese ist gut, aber leider ein bißchen langsam. Damit kann man jetzt nicht so gut rennen". Der Chef der Technischen Orthopädie, Jens Becker, muss also noch feinjustieren und eine neue Hydraulik einbauen. Laurins Vater freut sich, wie gut sich sein Sohn bewegt und wie geduldig er ist: "Immer wieder wird eine neue Prothese anprobiert, immer wieder muss repariert werden". Laurin muss alle ein bis zwei Wochen vorbeikommen.

Laurin will kein Mitleid

Der Unfall damals - und ein ganz normales Familienleben? "Wieder alles ins Lot zu bekommen, dauert schon sehr, sehr lange", meint Laurins Mutter. Doch ihr Junge kann auch vom Schmerz abschalten, vor allem beim Sport. Laurin geht mit seinem besten Kumpel klettern. Er zieht sich mit kräftigen Zügen die Kletterwand hoch. "Was ich will, das will ich", ist sein Motto. Und so haben die Techniker auf seinen Wunsch hin eine Extra-Kletter-Prothese gebaut. "Ich wünsche mir von anderen, dass sie mich nicht mitleidig behandeln und sagen: 'Guck mal, der hat ein Bein ab. Das tut mir so leid'. Ich möchte einfach, dass man mich ganz normal wie einen Menschen behandelt."

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Schleswig-Holstein 18:00

11.03.2016 18:00 Uhr
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Laurin Walther ist 13 Jahre alt, skatet und klettert mit seinen Freunden. Das klappt, dank Prothese. Denn vor einigen Jahren verlor er bei einem Unfall ein Bein. mehr

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Wie ein 13-Jähriger seine Behinderung meistert

Schleswig-Holstein Magazin

Laurin Walther hat nur noch ein Bein. Damit er ein möglichst normales Leben führen kann, hat er verschiedene Prothesen für unterschiedliche Aktivitäten. Bildergalerie