Stand: 03.07.2015 17:39 Uhr

Prokon: Umwandlung in Genossenschaft kann starten

Das Amtsgericht Itzehoe hat am Freitag den am Vortag beschlossenen Prokon-Insolvenzplan bestätigt. Das teilte ein Gerichtssprecher mit. Eine große Mehrheit der Gläubiger hatte sich dafür ausgesprochen, den Windparkbetreiber künftig als Genossenschaft weiterzuführen. Der Betriebsratsvorsitzende von Prokon, Philip Hogrebe, sprach von einem sehr überraschenden Ergebnis. "Die Anleger scheinen sich sehr mit dem Unternehmen zu identifizieren", so Hogrebe. So könnten der Standort Itzehoe und die meisten Arbeitsplätze wohl bestehen bleiben.

Positives Echo auf die Entscheidung bei Prokon

Positiv hatte auch Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) die Entscheidung für eine Genossenschaft aufgenommen. "Mit dem Genossenschaftsmodell haben wir die Chance, dass die unternehmerischen Entscheidungen in Itzehoe getroffen werden. Das stärkt den Standort, das ist ganz wichtig für die Region", sagte Meyer. Erfreut zeigte sich auch Itzehoes Bürgermeister Andreas Köppen. Auch er hofft, dass in naher Zukunft bei Prokon sogar noch zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Zukunft: Der große Investor ist raus

Über die Zukunft der insolventen Windenergie-Firma Prokon war am Donnerstag in Hamburg die Entscheidung gefallen. Die große Mehrheit der anwesenden Gläubiger stimmte auf der Versammlung für eine genossenschaftliche Lösung. Viele Teilnehmer zeigten sich nach der Entscheidung erleichtert: "Zu fast 100 Prozent ist es eine Genossenschaft geworden, das ist spitze. Und der große Investor ist raus, der sich das nur einverleiben wollte für billiges Geld und dann hinterher die großen Gewinne macht", so die Reaktion von Matthias Daburger, einem der 2.144 Anwesenden. Mit dem Votum wurde dem Angebot des Energiekonzerns EnBW eine Absage erteilt, der Prokon für 550 Millionen Euro kaufen wollte.

Große Mehrheit für Genossenschaftsmodell

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Für Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin endet mit der Entscheidung ein aufwendiges Insolvenzverfahren.

Nach Angaben von Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin stimmten rund 80 Prozent der anwesenden Gläubiger für das genossenschaftliche Modell. Sie repräsentierten etwa die Hälfte sämtlicher Insolvenzforderungen. Nachdem der beschlossene Insolvenzplan nun durch das Insolvenzgericht rechtskräftig bestätigt wurde, kann nun die Umwandlung in eine Genossenschaft erfolgen.

Bedauern bei EnBW

Mit seinem Kaufangebot kam der baden-württembergische Energiekonzern EnBW nicht zum Zuge. "Wir bedauern diese Entscheidung, denn Prokon und EnBW hätten gut zusammengepasst und gemeinsam die Windkraft in Deutschland noch stärker voranbringen können", sagte der EnBW-Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux.

Größte Pleite der Windenergiebranche

1995 war Prokon von Carsten Rodbertus gegründet worden. 1,4 Milliarden Euro legten Menschen in dem Unternehmen an. Das System versprach über Genuss-Scheine hohe Renditen. Prokon geriet in Schieflage, weil zu viele Anleger gleichzeitig ihr Geld zurückziehen wollten und nicht genügend neue Anleger investierten.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.07.2015 | 17:00 Uhr