Stand: 23.06.2015 12:06 Uhr

Postbote: "Sendungen türmen sich meterhoch"

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Für die Angestellten der Post ist der Streik eine Zerreißprobe. Einige streiken, andere nicht.

Und täglich grüßt der leere Briefkasten: Der Poststreik geht in die dritte Woche. In den Zustellzentren stapeln sich Pakete und Briefe. Deswegen mussten einige Postboten sogar am vergangenen Sonntag ran. Für die Angestellten der Post bleibt dieser Streik eine Zerreißprobe am Limit, egal ob sie sich entschieden haben, mitzustreiken oder nicht. NDR 1 Welle Nord hat mit einem verbeamteten Postzusteller gesprochen, der anonym bleiben möchte.

Am vergangenen Sonntag haben viele Postboten gearbeitet. Sie auch?

Postzusteller: Jede helfende Hand wird zurzeit gebraucht. Natürlich hätte ich arbeiten können. Aber aus Solidarität zu meinen Kollegen und zu den Streikenden habe ich's nicht gemacht. Und das hätte ich eigentlich auch von den anderen erwartet. Aber: Es ging da um viel Geld für einen Postler.

Ansonsten arbeiten Sie?

Postzusteller: Ja, ich bin ja verbeamtet. Aber eigentlich würde ich gerne mitstreiken.

Das heißt, Sie sind nicht sauer auf die Kollegen, die streiken?

Postzusteller: Im Gegenteil. Ich bin da wirklich stolz auf die. Das ist ganz groß, was die zurzeit machen. Die verzichten auf Geld und treten für eine gute Sache ein. Und zu denen, die nicht streiken, muss man sagen, viele brauchen das Geld. Denn wer streikt, hat weniger Geld im Portemonnaie.

Man sieht da ja immer wieder Bilder, wo sich die Pakete und Briefe türmen. Wie sieht es denn in den Zustellzentren aus?

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Postzusteller: Die Sachen türmen sich meterhoch. Es gibt Zustellbezirke, wo seit Wochen niemand gefahren ist. Da kann man sich ja ungefähr vorstellen, was da los ist. Wir reden hier von Tausenden von Sendungen. Das ist eine dramatische Situation. Das mit der Auslieferung ist gar nicht mehr zu schaffen. Auch nach Streikende kann es sein, dass jemand noch Wochen warten muss, bis er sein Paket oder seinen Brief wirklich in der Hand hat. Ich weiß nicht, warum die von der Post erzählen, dass 80 Prozent an Briefen und Paketen durchkommen. Da war, glaube ich, jemand in der Prozentrechnung nicht ganz so stark.

Sie klingen jetzt so, als ob Sie ein bisschen sauer auf die Post sind.

Postzusteller: Die Post hat einen Nettogewinn von fast drei Milliarden erzielt und möchte auf Kosten der Angestellten den Gewinn steigern. Das kann man doch niemandem erklären. Von den Menschen auf der Straße bekommen wir übrigens viel Rückendeckung. Einige sind aber auch angefressen und wollen einfach ihre Post haben.

Wie verhält sich die Post Ihnen gegenüber?

Postzusteller: Anfangs wurden wir gezwungen, Überstunden zu machen - in dem Rahmen, der erlaubt ist: 10.45 Stunden. Da gab es eine Anordnung, und wir haben das am Anfang gemacht. Dann haben wir Rücksprache mit der Gewerkschaft ver.di und dem Betriebsrat gehalten. Die haben das dann geregelt für uns. Der Druck ist trotzdem immens auf uns, auf alle Kollegen, die arbeiten. Zum Teil sollen wir Sendungen von anderen Zustellern mitnehmen. Das ist gar nicht machbar. Das ist ein unwahrscheinlicher Druck. Viele von uns haben schon schlaflose Nächte.

Haben Sie jemanden, mit dem Sie mal darüber reden können?

Postzusteller: Ja, die Familie. Aber ganz ehrlich, das Thema ist irgendwann auch aufgebraucht.

Das Gespräch führte Jens Schulenburg, Moderator der NDR 1 Welle Nord.