Stand: 15.01.2016 17:05 Uhr

Polizei erwischt Einbrecher zum zweiten Mal

Die Flensburger Polizei hat eine Einbrecherbande zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage gefasst. Nach der vorläufigen Festnahme vor einer Woche mussten die Beamten das Trio wieder auf freien Fuß setzen. Die Staatsanwaltschaft hatte keinen Haftbefehl beantragt. Jetzt schlugen die drei offenbar erneut zu - und wurden gleich wieder gefasst. Diesmal müssen die Männer in Untersuchungshaft, entschied das Flensburger Amtsgericht. "Nachdem sie auf freien Fuß gelassen wurden, haben wir weitere Ermittlungen vorgenommen. Es ergab sich dann, dass konkrete Erkenntnisse für den Haftgrund der Fluchtgefahr ermittelt werden konnten", sagte Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt dem Schleswig-Holstein Magazin.

Weitere Tat nur vier Tage nach erster Festnahme

Wenn sich die Ermittlungen bestätigen, dann haben die Männer ihre Einbruchserie einfach fortgesetzt. Nur vier Tage, nachdem sie vorübergehend festgenommen und dann wieder frei gelassen wurden, sollen sie am vergangenen Wochenende in ein Haus im Flensburger Stadtteil Weiche eingebrochen sein. Dort hebelten Einbrecher ein Fenster des Hauswirtschaftsraums auf. "Im Haus wurden sämtliche Räume durchwühlt und Bargeld, Schmuck, Bekleidung sowie Kosmetikartikel entwendet", sagt Franziska Jurga von der Flensburger Polizei. Die Einbrecher entkamen zunächst unerkannt.

Polizei geht von Serientätern aus

Nach weiteren Hinweisen konnten die Ermittler aber noch am Sonntagabend auf der Autobahn A 7 ein Auto kontrollieren, in dem zwei der mutmaßlichen Täter saßen. In dem Wagen entdeckten die Beamten unter anderem Bekleidung und eine - wie es von der Polizei hieß - "markante Tasche". All das konnten die Beamten zunächst nicht als Diebesgut identifizieren. Doch sie ermittelten weiter und durchsuchten nur einen Tag später die Wohnungen der Tatverdächtigen in Grevenkrug bei Bordesholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und Itzehoe (Kreis Steinburg). In einer der Wohnungen fanden die Ermittler Diebesgut aus dem Einbruch in Flensburg-Weiche.

Dritter Komplize ebenfalls in U-Haft

Der mutmaßliche dritte Komplize, der bei dem Einbruch in der ersten Januarwoche dabei war, wurde ebenfalls am Montagabend festgenommen. Auch er sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Die drei Männer stammen aus Albanien. Nach Angaben der Polizei haben zwei von ihnen einen Asylantrag in Deutschland gestellt. "Alle Tatverdächtigen stehen in Verdacht, weitere Einbrüche in Schleswig-Holstein begangen zu haben", sagt Polizeisprecherin Jurga. Innenminister Stefan Studt (SPD) hatte bereits angeregt, dass die Ausländerbehörden in solchen Fällen Verdächtige auch ohne abgeschlossenes Verfahren ausweisen könnten, indem deren Asylverfahren beschleunigt abgewickelt werden. Flüchtlinge vom Balkan werden derzeit in den wenigsten Fällen als Asylbewerber anerkannt.

Zahl der Einbrüche Ende 2015 stark gestiegen

Bund Deutscher Kriminalbeamter kritisiert Staatsanwaltschaft

Bereits vor einer Woche stellte die Polizei bei den mutmaßlichen Tätern Diebesgut von mehreren Einbrüchen sicher. Trotzdem führte die Staatsanwaltschaft Flensburg die vier Verdächtigen nicht dem Haftrichter vor, sondern setzte sie auf freien Fuß. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft fehlten damals Haftgründe. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) kritisierte die Staatsanwaltschaft scharf und machte den Personalmangel bei den Justizbehörden dafür verantwortlich.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.01.2016 | 17:00 Uhr