Stand: 01.08.2016 14:29 Uhr

Panzer im Keller: Ein Jahr nach der Bergung

Eine anscheinend unendliche Geschichte soll nun doch ein Ende finden: Gut ein Jahr ist es her, da sorgte der Fall des Heikendorfer Panzers für Schlagzeilen. Die Kieler Staatsanwaltschaft hatte das Gefährt aus dem Zweiten Weltkrieg mit Hilfe von Pionieren der Bundeswehr aus dem Keller eines 79 Jahre alten Sammlers geborgen. Seitdem steht eine Frage im Zentrum der Ermittlungen: War der Panzer vollständig demilitarisiert, also funktionsuntüchtig, oder doch nicht? Falls nein, hätte der Sammler gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen. "Ein ungewöhnlicher Fall", sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler NDR 1 Welle Nord. Die Ermittlungen seien aufwendig, vor allem habe die Behörde umfangreiche Gutachten einholen müssen. Darin musste geklärt werden, ob der Panzer und andere Teile der Sammlung unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen - oder unter das weniger strenge einfache Waffengesetz.

Warten auf Stellungnahme des Sammlers

Ein Ende der Ermittlungen sei absehbar, so Bieler. Der Beschuldigte habe nun noch Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen. Dessen Anwalt wollte sich aktuell nicht zum Verfahren äußern. Ob Anklage erhoben wird oder nicht - diese Entscheidung dürfte noch im Herbst fallen.

Der Weg von England nach Deutschland

1977 kam der Weltkriegspanzer vom Typ Panther aus England nach Deutschland. Hier wurde er restauriert. Seit den 1980er-Jahren stand er in der Tiefgarage einer Villa in Heikendorf. Dort hatte der 79-Jährige eine Art Ruhmeshalle für seine Sammlung aufgebaut. Dass der Panzer dort stand, war den Behörden und Ministerien jahrzehntelang bekannt. Zuletzt hatte Mitte September 2005 das Ordnungsamt des Kreises Plön das Innenministerium in Kiel um eine Prüfung der Angelegenheit gebeten. Das forderte vom Sachbearbeiter des Ordnungsamtes, eine Demilitarisierungs-Bescheinigung vom zuständigen Bundesministerium zu prüfen. Falls es keine Bescheinigung gebe, sollte er Strafanzeige bei der zuständigen Staatswanwaltschaft stellen. Eine Bescheinigung bekam der Sachbearbeiter vom Sammler nicht, nur alte Fotos, auf denen das Kanonenrohr abgeschnitten gewesen sein soll. Er legte den Fall zu den Akten.

Karte: Der lange Weg des Panzers

Bundeswehr hilft bei Restaurierung

In der Zwischenzeit half von 2011 bis 2014 sogar die Bundeswehr bei der Restaurierung des Panthers. Der Sammler soll nach NDR Informationen in der Bundeswehr gut vernetzt und Mitglied in zahlreichen Freundeskreisen von Militärmuseen und Truppenteilen sein - auch im Freundeskreis der Wehrtechnischen Dienststelle 41 in Trier, deren Mitarbeiter dem Sammler im Norden halfen. Erst im Sommer 2015 griffen die Behörden ein. Die Berliner Polizei machte bei dem Sammler eine Hausdurchsuchung, weil die Ermittler in der Villa Nazi-Kunst vermuteten. Dabei fiel ihnen auch die Kriegswaffensammlung auf. Sie informierten die Kollegen in Kiel. Der Panzer wurde im Juli 2015 beschlagnahmt - seitdem laufen die Ermittlungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.08.2016 | 17:00 Uhr

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