Stand: 01.03.2016 20:21 Uhr

Ostküstentrasse: Erdkabel an neun Orten möglich

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Viele Anwohner und Kommunen wehren sich gegen Freileitungen und wollen lieber Erdkabel.

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) und der Netzbetreiber Tennet haben am Dienstag in Ratekau (Kreis Ostholstein) über die weiteren Planungsschritte für die sogenannte Ostküstenleitung informiert. Zu der Auftaktveranstaltung in der Sporthalle der Gemeinde Ratekau kamen mehrere hundert Zuhörer. In den nächsten Monaten sollen mit Beteiligung der Bürger die Streckenabschnitte herausgearbeitet werden, in denen die geplante Höchstspannungsleitung unterirdisch verlegt werden kann. "Wir gehen in die Region, um darüber zu sprechen, wo Erdkabel konkret in Frage kommen und helfen können, Belastungen zu verringern", sagte Habeck in Ratekau. Durch die Ostküstenleitung vom Kreis Ostholstein über Lübeck bis zum Kreis Segeberg soll Windstrom aus Schleswig-Holstein nach Süddeutschland transportiert werden. 

Ostküstenleitung ist Pilotstrecke

Bei der Trassendiskussion seit 2014 hatten sich viele Vertreter von Kreisen und Gemeinden, Naturschutzorganisationen und Anwohner dafür ausgesprochen, die Höchstspannungsleitung möglichst unterirdisch zu verlegen. Anfang dieses Jahres hatte die Bundesregierung die Leitung als Pilotstrecke für eine Teil-Erdverkabelung ausgewiesen. Auf dieser Basis kann Netzbetreiber Tennet prüfen, ob und wo Erdkabel eine sinnvolle Alternative sind.

Führen die Erdkabel zu neuen Problemen?

Dabei müssen aber bestimmte Kriterien erfüllt sein. So kommen Erdkabel nach Angaben des Ministeriums etwa dann in Frage, wenn die Trasse in bewohnten Gebieten weniger als 400 Meter oder im Außenbereich 200 Meter von Häusern entfernt verläuft. Zudem muss der Netzbetreiber die technische und wirtschaftliche Effizienz im Blick haben. "Es wird daher nicht überall Erdkabel geben können, sondern nur an vereinzelten Streckenabschnitten. Und wir müssen uns klar machen: Auch Erdkabel sind ein Eingriff in die Umwelt, insbesondere in die Böden", sagte Habeck. Landwirte fürchten, dass die Stromleitung den unmittelbar angrenzenden Boden erwärmen und austrocknen könnte. 

Erdkabel statt Freileitung - hier prüft Tennet

Erdkabel drei bis vier Kilometer lang

Mit dem Bau soll 2018 begonnen werden. "Wir werden die Planung für die Ostküstenleitung nicht neu aufrollen", stellte Habeck klar. Stattdessen würden im bereits erarbeiteten Trassenverlauf einzelne Streckenabschnitte identifiziert, bei denen die Erdverkabelung nach den neuen rechtlichen Rahmenbedingungen möglich sei, sagte er. Nach Angaben von Tennet kommen auf der gesamten Strecke der Ostküstenleitung neun Abschnitte für die nähere Prüfung in Betracht. "Nur für einen Teil dieser neun Abschnitte wird die Edverkabelung nach detaillierter Prüfung tatsächlich umgesetzt werden können", sagte Christoph Schulze Wischeler von Tennet.

Die Abschnitte mit Erdkabeln werden voraussichtlich jeweils drei bis vier Kilometer lang sein. In den nächsten drei Monaten soll in einer Reihe von öffentlichen Veranstaltungen erörtert werden, wo die 380-Kilovolt-Trasse unter die Erde gebracht werden kann.

Zeitplan Dialogverfahren für die Erdkabelabschnitte

Bürgerdialog, jeweils 18 bis 20 Uhr
14. März: Margarethenhof Kisdorf, 16. März: Gemeinschaftshaus Travenbrück, 17. März: Bürgerhaus Itzstedt, 21. März: Gemeinschaftshaus Mönkhagen, 13. April: Bürgerhaus Henstedt-Ulzburg, 18. April: Feuerwehrhalle Manhagen, 19. April: Schützenhof Oldenburg, 20. April: Sportlerheim Süsel, 21. April: Møn-Halle Ratekau

Fachdialog Bodenschutz / Landwirtschaft, 13 bis 17.30 Uhr (Fachpublikum)
15. März, Landwirtschaftsschule Bad Segeberg

Ergebniskonferenzen, jeweils 18 bis 21 Uhr
2. Juni: voraussichtlich Festhalle Bad Oldesloe, 7. Juni: voraussichtlich Kreishaus Eutin

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.03.2016 | 19:30 Uhr