Stand: 25.01.2017 17:36 Uhr

Oh, "Gorch Fock", du meine große Liebe

Bei der Marine nennen sie die "Gorch Fock" die "weiße Lady" - trotz ihres Männernamens. Aber sie lieben und verehren das Schiff wie eine Lady. Mehr als 15.000 Männer und Frauen haben auf dem Segelschulschiff seit 1958 das gelernt, was ein Seemann wissen muss. Doch die "alte Dame" ist marode. 35 Millionen Euro würde es kosten, die "Gorch Fock" wieder richtig flott zu machen. In den Augen ihrer Fans ändern die Gebrechen jedoch nichts am "Gorch Fock"-Charme.

Eine Liebeserklärung von Peter Bartelt

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Stellen Sie sich vor, die "Gorch Fock" hieße "Georg Fock" - das ginge wirklich gar nicht!

Ja, ich liebe eine ältere Dame - und zwar seit meiner Kindheit in Kiel: Meine "Gorch Fock", immerhin schon fast 60 Jahre alt! Aber was für eine zeitlose Schönheit, die strahlend weiß die Wellen sanft durchschneidet, und stahlhart die stürmischen Zeiten durchfurcht. Sie hatte immer etwas Mütterliches für mich, wenn sie da am Kai mir etwas plätschernd zuflüsterte. Vor meinem kindlichen Auge sah ich die Wellen, wie sie ihre grüne Wasserlinie kämmten.

Wenn aus Männern Kinder werden

Waren sie schon einmal bei einer Verabschiedung zu einer Ausbildungsfahrt am Kai dabei, wenn tränenaufgeweichte Mütter, Freundinnen und Frauen ihre Söhne und Männer der alten Dame aus weißem Stahl und mit den blähenden Tüchern hoch über den Toppen anvertraut haben? Kaum waren sie über die Gangway an Deck, wurden aus Männern Kinder, die ihre Ferien bei der abenteuerlustigen Oma verbringen. Zurück an Land blieben nasse Taschentücher, die so lange gewedelt wurden bis sie trocken waren.

Was einem als Kind alles spanisch vorkommt ...

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Eine Liebeserklärung an die "Gorch Fock"

Auf ein Wort

Ob das Segelschulschiff "Gorch Fock" eine Zukunft hat, ist unsicher. 35 Millionen Euro würde die Instandsetzung kosten. Aber ihre Fans lieben sie - so auch Peter Bartelt.

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Die "Gorch Fock" ist und bleibt die Mutter aller Segelschiffe. Nur der Name "Gorch Fock", vor allem das "Gorch", kam mir als Kind immer etwas spanisch vor, inzwischen weiß ich, er kommt eher aus dem Plattdeutschen, für Georg. Und inzwischen weiß ich auch, warum "Gorch" die ansprechendere Variante ist als dieses etwas eckige Georg. Das klingt für mich nach Seitenscheitel, Schlips, Dienstanzug mit Weste und Ärmelschonern, in Leder zum Aufkleben, alles wie von Mutti ausgesucht und säuberlich morgens aufs Bett gelegt. "Gorch" dagegen hat diese weiche Attitüde, klingt nach Familie, Freizeit und Feierabend.

Ein Test in der Kneipe bringt's ans Licht

Gehen sie mal in eine Kneipe zu vorgerückter Stunde und suchen sie sich ein Exemplar, das mit dümmlichem Grinsen beim Trinken die Hälfte seines schalen Hopfengetränks am rechten Mundwinkel vorbei gießt. Tupfen sie es trocken und sie werden sehen: Das Exemplar wird ihnen mit angetrunkener kindlicher Naivität auf Nachfrage den Unterschied zwischen dem dienstlichen Georg und dem freizeitlichen Gorch beweisen.

Bitten sie die Testperson einfach mal, den Namen "Georg" auszusprechen. Sie wird sich bemühen, aus Dankbarkeit wegen ihrer Tupfaktion, und sie wird sich an die Spielregeln halten, denn sie hat ja Feierabend und befindet sich in einem zwar fragwürdigen, aber trotzdem außerdienstlichen Zustand. Und sie wird deshalb aus der Dienstversion Georg ganz automatisch dieses wohltuende nach Freizeit klingende und familiäre "Gorch" artikulieren - oder in seiner Phonetik, aikuliiern.

Alte Liebe rostet eben nicht

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Gute Reise, "Gorch Fock"! Komm bald wieder, bald wieder nach Haus!

Dieser weiche Jungsname "Gorch" trägt zu diesem Gefühl bei, das ich nach wie vor für meine "Gorch Fock" empfinde. Sie hat in all den Jahren ihre Würde behalten, alte Liebe rostet eben nicht, bis auf die paar rostroten Nippel am Rumpf.

Ja, und auch ihr Vorbau, der goldene Albatros, besteht inzwischen nicht mehr aus natürlichem Material, sondern aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. Na und, da gibt es inzwischen operierte menschliche Exemplare, die würden bei so viel Natürlichkeit vor Freude platzen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 25.01.2017 | 18:25 Uhr

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