Stand: 19.01.2016 17:52 Uhr

Neue Technik setzt Tornados nachts außer Gefecht

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Von Jagel aus sind die Tornados in den Einsatz über Syrien gestartet.

Seit Anfang Januar beteiligen sich vier Tornados aus Schleswig-Holstein am Syrien-Einsatz der Bundeswehr. Doch wie jetzt bekannt wurde, sind die Jets aus Jagel (Kreis Schleswig-Flensburg) zurzeit nur bedingt einsatzbereit. Im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) können die Tornados ihre Aufklärungsflüge nur tagsüber starten - nachts müssen sie am Boden bleiben. Schuld daran ist laut Bundesverteidigungsministerium eine neue Soft- und Hardware in den Flugzeugen. Diese sorgt dafür, dass die Cockpit-Beleuchtung zu stark reflektiert und so die Nachtsichtgeräte empfindlich stört. Folge ist, dass die Piloten den Luftraum im Dunkeln nicht ausreichend gut beobachten können.

Keine Unterstützung durch Bodenaufklärung

Trotz dieses Problems betont die Luftwaffe, der Einsatz der Tornados sei nicht gefährdet. Bei Tageslicht seien die Aufklärungsergebnisse ohnehin besser, heißt es. Anders als in Syrien sind Nachteinsätze der Jets im benachbarten Irak möglich. Denn dort hilft die nationale Bodenaufklärung den Piloten dabei, sich nähernde Flugobjekte zu orten. Die syrische Regierung tut das nicht. Deshalb ist die Bundeswehr gezwungen, schnell zu handeln. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen besonders hell leuchtende Dioden im Cockpit bis Anfang Februar ausgetauscht werden. Die grundsätzlichen Probleme mit der Software würden bis Ende des Jahres behoben, so das Ministerium.

Ex-Pilot zweifelt an schneller Problemlösung

Der ehemalige Kampfjetpilot Thomas Wassmann sagte NDR 1 Welle Nord, die erforderlichen Arbeiten seien technisch aufwendig und teuer. "Im Cockpit gibt es viele verschiedene Geräte von verschiedenen Herstellern. Vielleicht kann man die Beleuchtung reduzieren. Aber ich sehe noch nicht ganz, dass das Problem wirklich so schnell lösbar ist", sagte Wassmann. Gleichzeitig nahm er die Bundeswehr in Schutz. Nächtliche Probeflüge mit den Tornados seien vor dem Einsatz nicht ohne Weiteres möglich gewesen: "So viele Nachtsichtgeräte hat die Bundeswehr gar nicht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.01.2016 | 14:00 Uhr