Stand: 25.01.2016 12:00 Uhr

Neue Chip-Karte: Als Flüchtling direkt zum Arzt

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Optisch unterscheidet sich die Gesundheitskarte für Flüchtlinge nicht von den regulären Chip-Karten der Krankenkassen.

Wer bislang als Flüchtling in Schleswig-Holstein zum Arzt wollte, der musste Geduld beweisen. Denn Flüchtlinge mussten zunächst einen Behandlungsschein bei ihrer Kommune beantragen. Und das konnte dauern. Nun soll alles einfacher werden. In diesen Tagen versenden die gesetzlichen Krankenkassen in Schleswig-Holstein mehrere tausend elektronische Gesundheitskarten an Asylbewerber im Land. Mit ihr können Flüchtlinge direkt in die ärztliche Praxis oder ins Krankenhaus gehen. "Die Krankenkassen stellen gern ihre Kompetenz zur Verfügung, damit die Asylbewerber schnell, einfach und unbürokratisch alle medizinisch erforderlichen Leistungen in Anspruch nehmen können", sagte der Vorstandvorsitzende der AOK Nordwest, Tom Ackermann.

Spürbare Entlastung

In Kiel überreichten Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) und Ackermann am Montag gemeinsam die ersten Karten an die syrische Familie Ahmed aus Büdelsdorf. "Mit der elektronischen Gesundheitskarte helfen wir Menschen in Not und bieten ihnen einen direkten Zugang zur notwendigen medizinischen Versorgung", sagte Alheit bei der Übergabe. Davon ist auch Familie Ahmed begeistert. Nun kann sie im Krankheitsfall ohne Umwege direkt zum Arzt. Büdeldorfs Bürgermeister Jürgen Hein (parteilos) erhofft sich durch die Einführung aber auch Vorteile für seine Stadt. "Wir sind froh, dass wir nicht mehr für jede einzelne ärztliche Behandlung der Flüchtlinge Behandlungsscheine ausstellen müssen", sagte Hein. Nach seinen Worten bringt das eine spürbare Entlastung. Die freiwerdenden Kapazitäten sollen für die vielfältigen weiteren Aufgaben im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden.

Nach dem Umzug kommt die Karte

Schleswig-Holstein gehört zu den ersten Bundesländern, das die elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge flächendeckend einführt. Dazu hatten Gesundheitsministerin Alheit und nahezu alle gesetzlichen Krankenkassen in Schleswig-Holstein im Oktober 2015 eine entsprechende Rahmenvereinbarung unterzeichnet. Die Asylbewerber erhalten die elektronische Gesundheitskarte wenn sie die Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes verlassen und den Gemeinden zugewiesen werden. Die Kosten trägt der Steuerzahler. Die Krankenkassen erhalten gemäß Vereinbarung eine Verwaltungsgebühr. Sie beträgt acht Prozent der Behandlungskosten, mindestens aber zehn Euro im Monat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.01.2016 | 14:00 Uhr