Stand: 11.03.2014 06:59 Uhr

Nach Explosion: Vierte Leiche geborgen

Bei der Explosion eines Mehrfamilienhauses am Montag in Itzehoe (Kreis Steinburg) sind vier Menschen ums Leben gekommen. Helfer bargen in der Nacht den leblosen Körper des letzten Vermissten. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen 45-jährigen Bewohner des Hauses. Bereits am Abend war ein dritter Verschütteter tot geborgen worden. Zuvor waren die Leiche eines 58 Jahre alten Bauarbeiters und die eines 36 Jahre alten Bewohners des Hauses aus dem Schutt gezogen worden. Insgesamt gab es 15 Verletzte, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr, zwei weitere kamen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Das Haus brach in sich zusammen, angrenzende Gebäude wurden beschädigt. Am Montagabend nahmen zahlreiche Menschen in Itzehoe an einem spontanen Trauerzug teil. Anwohner zündeten am Unglücksort Kerzen an.

Haus in Itzehoe stürzt ein

Retter suchen weiter unter den Trümmern

Zeitweise waren am Montag 365 Helfer im Einsatz. "Sie sind mit Hochdruck dabei, das Trümmerfeld zu räumen", sagte der Sprecher der Rettungsdienstkooperation, Christian Mandel. Teils werde der Schutt mit bloßen Händen abgetragen. Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt der Explosion in dem Haus befanden, ist unklar. Gemeldet waren in dem Wohnblock elf Bewohner. Am Nachmittag verschaffte sich auch Innenminister Andreas Breitner (SPD) vor Ort einen Überblick. "Schlimm, mit welcher Wucht sich ein solcher Unglücksfall auswirken kann", schrieb er anschließend auf seiner Facebook-Seite.

Polizeisprecherin: "Hier liegt ein großer Schutthaufen"

"Das Haus steht nicht mehr", berichtete eine Polizeisprecherin. "Hier liegt ein großer Schutthaufen." Es habe sich um eine sehr heftige Explosion gehandelt. Im ganzen Wohnviertel gibt es große Zerstörungen. "In einige Wohnungen kann man hineingucken." Dachziegel und zerborstene Fensterscheiben liegen überall herum. Auch in größerer Entfernung wackelten nach Augenzeugenberichten die Scheiben. Etliche umliegende Häuser sind so stark beschädigt, dass die Bewohner sie vorerst nicht mehr betreten dürfen. Zunächst sollen Statiker die Gebäude untersuchen. Für die rund 100 Betroffenen mietete die Stadt etwa 50 Schlafplätze in einem ehemaligen Internat im Nachbarort Kellinghusen (Kreis Steinburg) an. Einige sind auch bei Freunden oder Verwandten untergekommen.

Möglicherweise wurde eine Gasleitung beschädigt

Zur möglichen Ursache wollte die Polizei keine Angaben machen: "Das ist völlig unklar", sagte eine Sprecherin. Vermutungen, dass der Bagger vor dem Haus möglicherweise eine Gasleitung beschädigt habe, wurden bisher nicht offiziell bestätigt. Nach Angaben von Kreisfeuerwehrführer Frank Raether roch es beim Eintreffen an der Unglücksstelle stark nach Gas.

Das Gebäude ist ein mehrgeschossiges Wohnhaus in der Schützenstraße am Ortsrand von Itzehoe. Bürgermeister Andreas Koeppen sprach von einer "Katastrophe".

Karte: Explosion in Itzehoe

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.03.2014 | 07:00 Uhr