Stand: 14.03.2016 16:26 Uhr

NABU-Gutachten: Fehmarnbelt-Querung ist unnötig

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So stellt sich die staatliche Projektgesellschaft Femern AS den Tunnel zwischen Fehmarn und Lolland vor.

Ein neues Gutachten stellt den volkswirtschaftlichen Nutzen des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels infrage. Der Naturschutzbund (NABU) hat das Gutachten am Montag vorgestellt. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller kommt zu dem Schluss: "Der Bedarf für einen Neubau entlang des Fehmarnbelts ist schlicht nicht vorhanden."


Schienengüterverkehr rückläufig

Mit dem Gutachten beauftragt hatte der NABU das Hamburger Beratungsunternehmen Hanseatic Transport Consultancy (HTC). Die Fachleute untersuchten, wie sich der Verkehr auf den Schienen zwischen dem europäischen Festland und Skandinavien entwickelt hat. Das Ergebnis: Das Aufkommen im Schienengüterverkehr von und nach Skandinavien stagniert seit Jahren und ist sogar leicht rückläufig.

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"Das Gutachten macht deutlich, dass die finanziellen Zuschüsse in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro aus Mitteln für den Ausbau der transeuropäischen Netze aus verkehrlicher Sicht nicht zu rechtfertigen sind", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Anstatt den Tunnelbau zwischen Rødby und Puttgarden zu beschließen, hätte alternativ ein Ausbau der Jütlandroute geprüft werden müssen. Das ist die Strecke von Hamburg über Flensburg und die Brücke über den Großen Belt. Die Naturschutzorganisation wirft den Planern vor, einen Ausbau der Jütlandroute von Beginn an durch den Staatsvertrag ausgehebelt zu haben. Die mangelnde Prüfung von Alternativen verstößt nach Ansicht des NABU gegen europäisches Recht. "Dieses Thema wird in einem juristischen Verfahren eine zentrale Rolle spielen", sagte Malte Siegert vom NABU.

CDU kritisiert Beziehung zwischen NABU und Scandlines

Der CDU-Landtagsabgeordnete Volker Dornquast bezeichnete das Gutachten als unglaubwürdig. Die Organisation lasse kein Mittel aus, um in der Bevölkerung Stimmung gegen das vertraglich zwischen Dänemark und Deutschland vereinbarte Projekt zu machen. "Als öffentlich geförderter Verein soll der NABU an Planungen mitwirken." Dazu dürfe man nicht in Fundamentalopposition gehen. Außerdem kritisierte er die Geschäftsbeziehung zwischen dem NABU und der Reederei Scandlines, die mit ihren Fährschiffen zwischen Rødby und Puttgarden pendelt. Der NABU wiederum konterte in einer Stellungnahme, die CDU skandalisiere die Berater-Beziehungen zwischen Scandlines und dem NABU.

Linke: Prognosen aus der Luft gegriffen

Der Obmann der Linken im Verkehrsausschuss des Bundestages, Herbert Behrens, sagte, die Verkehrsprognosen zur Fehmarnbeltquerung seien aus der Luft gegriffen. Zwei Drittel der Zugverbindungen würden der Studie zufolge von der bestehenden Jütlandroute lediglich auf die Beltquerung verlagert. "Das derzeit teuerste Infrastrukturprojekt Europas ist weder volkswirtschaftlich noch verkehrstechnisch zu rechtfertigen."

Sechs Milliarden Euro Baukosten

Noch fehlt allerdings die Baugenehmigung auf deutscher Seite. Die Kosten des etwa 18 Kilometer langen Tunnels trägt Dänemark. Die staatliche Projektgesellschaft Femern AS plant derzeit bei einem Baustart in 2018 mit einem Gesamtbudget von rund sieben Milliarden Euro. Die reinen Baukosten liegen den Planungen zufolge bei sechs Milliarden Euro. Deutschland muss laut Staatsvertrag die Hinterland-Anbindung in Schleswig-Holstein bauen. Die Kosten dafür werden auf etwa zwei Milliarden Euro geschätzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.03.2016 | 13:00 Uhr