Stand: 05.03.2016 14:42 Uhr

Mund-zu-Schnauze: Wenn der Hund Hilfe braucht

von Astrid Wulf

Was ist zu tun, wenn sich mein Liebling beim Spielen das Bein verletzt oder plötzlich bewusstlos zusammenbricht? Ganz klar eigentlich: Man leistet Erste Hilfe. Nur wie sieht die eigentlich aus, wenn der Liebling ein Hund ist? Beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Heiligenhafen (Kreis Ostholstein) lernen Hundehalter in speziellen Kursen die wichtigsten Notfallmaßnahmen für ihre Vierbeiner.

Herzmassage und Heimlich-Handgriff

Die wichtigste Lektion: Helfen, ohne gebissen zu werden

Asby liegt lethargisch auf der silbernen Thermo-Decke im Schulungsraum des ASB Ostholstein. Sein Haar ist stumpf, der Blick leer. Beine und Pfoten hält der labradorgroße Mischling steif von sich gestreckt. Doch kein Grund zur Sorge: Asby ist aus Plastik und Stoff - und somit der perfekte Dummy, um wichtige Sofortmaßnahmen bei Hunden trainieren zu können. Als erstes lernen die Teilnehmer, einen Maulkorb aus einem Dreiecktuch zu wickeln und ihn dann dem Hund anzulegen. Denn Selbstschutz geht vor. "Verletzte Hunde beißen häufig vor Angst oder vor Schmerzen um sich", weiß ASB-Kursleiter Walter Cordes.

Besser vorbereitet auf den tierischen Ernstfall

Auch Ulrike Föse ist bei dem Kurs dabei. Mit ihren Hunden hat sie schon einige brenzlige Situationen erlebt, auf die sie künftig besser vorbereitet sein will. "An der Steilküste von Heiligenhafen ist mein Berhardiner schon einmal den Abhang runtergesprungen", erzählt sie. "Er lag dann bewegungslos unten. Als ich da war, hat er sich wieder berappelt." Lachend erzählt Ulrike Föse, dass sie auch schon so einige quersteckende Stöckchen und sogar Kaugummis aus den Schnauzen ihrer Hunde entfernen musste, da könne es nicht schaden, mehr über Erste-Hilfe-Maßnahmen zu wissen.

Was Menschen hilft, kann auch Hunden das Leben retten

Zu den häufigsten Verletzungen bei Hunden gehören Schnittwunden, sagt Kursleiter Walter Cordes. Ein Druckverband kann helfen. Wie es richtig geht, wird gemeinsam am Dummy-Hund ausprobiert. Und selbst wenn der Hund mal etwas verschlucken sollte und keine Luft mehr bekommt, weiß Cordes Rat. Wie beim Menschen kann auch hier in absoluten Ausnahmesituationen der Heimlich-Handgriff helfen, so dass der Fremdkörper im Idealfall wieder aus dem Hals herausgeschleudert wird. Frisst der Hund jedoch einen Giftköder, rät Cordes zum schnellen Besuch eines Tierarztes. Denn in solchen Fällen sind besondere Medikamente notwendig.

Atemstillstand? Kräftig in die Schnauze pusten

Atmet der Hund nicht mehr und ist auch kein Puls zu spüren, ist die Königsdisziplin unter den Ersthelfern gefragt: die Herz-Lungen-Massage. Trainer Walter Cordes presst dafür den Brustkorb 30 Mal kräftig herunter, zum Beatmen bläst er kräftig einige Male in die Schnauze . Christopher Becker aus Großenbrode kommt beim Üben ordentlich ins Schwitzen. Er ist sich jedoch sicher: Im Notfall würde er alles tun, um seinen Bordercolliemischling wiederzubeleben: "Ekel habe ich da nicht", sagt er. "Der Hund ist ein Teil der Familie, und wenn so eine Situation kommt, dann denke ich schon, dass ich das machen würde."

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