Stand: 29.03.2016 15:02 Uhr

Mord und Leichenschändung? "Es kam über mich"

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Die Leiche der Frau wurde an einem Wanderweg zwischen Neustadt und Altenkrempe gefunden.

Im Prozess um den Mord an einer Frau und die anschließende Schändung der Leiche hat der Angeklagte vor dem Lübecker Landgericht ein Geständnis abgelegt. "Ich wollte niemanden töten. Es ist einfach über mich gekommen", sagte der 62-Jährige am ersten Verhandlungstag. Er räumte am Dienstag ein, im vergangenen Juli eine 37-Jährige in Altenkrempe im Kreis Ostholstein getötet und sich anschließend an der Leiche vergangen zu haben. Der Mann ist für die Justiz kein Unbekannter. Das Kieler Landgericht hatte ihn 1991 wegen Mordes in Tateinheit mit sexueller Nötigung zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nach einer Therapie kam er vor einigen Jahren wieder auf freien Fuß.

Medikamente sollten Sexualtrieb hemmen

Der Angeklagte lebte zuletzt in der teilstationären Wohneinrichtung einer Psychiatrie in Neustadt (Kreis Ostholstein). Alle zwei Wochen erhielt er per Spritze ein triebhemmendes Medikament. Von weiteren sexuellen Fantasien will der 62-Jährige seinem Arzt nicht berichtet haben - offenbar aus Angst, wieder in die geschlossene Forensik zu kommen. Als er seinem späteren Opfer auf einem Weg in Altenkrempe begegnete, sei ihm der Gedanke gekommen, "mit der Frau Sex zu haben". Der Mann verfolgte die Frau. Sie wehrte sich massiv. Er erwürgte sie. Seine Erklärung vor Gericht: "Ich hatte Angst, sie würde mich verraten."

Angeklagter räumt weitere Missbrauchsfälle ein

Der 62-Jährige misshandelte die Leiche und versteckte sie in einem Schacht. Die Leiche wurde erst drei Monate später gefunden. Der Angeklagte geriet unter Tatverdacht, weil die getötete Frau ebenfalls Patientin in der Einrichtung war, in der er lebte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei Schmuckstücke der Frau. Im Prozess gab er an, bereits als Jugendlicher Schulkameradinnen aufgelauert und sich an ihnen vergangen zu haben. Auf Nachfrage des Richters sagte der Mann: "Das waren schon ein paar, vielleicht vier, fünf". Der Prozess wird im April fortgesetzt. Das Urteil könnte im Mai fallen.