Stand: 07.04.2015 11:20 Uhr

Mord im Finanzamt: Lebenslange Haft

Lebenslange Haft, dieses Urteil hat das Landgericht in Kiel am Dienstag im Prozess um die tödlichen Schüsse im Rendsburger Finanzamt verhängt. Das Gericht verurteilte den 55 Jahre alten Angeklagten wegen Mordes und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der schwer behinderte Mann, der zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hatte zugegeben, auf den 57 Jahre alten Finanzbeamten geschossen zu haben.

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"Es gibt keinen Zweifel, dass er den Beamten töten wollte", sagt die Staatsanwaltschaft über den angeklagten Steuerberater, der auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Staatsanwalt Achim Hackethal sagte in seinem Plädoyer, die Tat sei als heimtückischer Mord zu werten. Die Darstellung des angeklagten Steuerberaters, er habe die Tat nicht geplant, wies er zurück. Im Prozess hatte ein Sachverständiger ein psychiatrisches Gutachten vorgestellt. Der Experte hält den Angeklagten für voll schuldfähig. Er könne weder eine Persönlichkeitsstörung noch eine tiefgreifende Bewusstseinstrübung feststellen, sagte der Gutachter. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Totschlag und forderte eine Haftstrafe von wenigen Jahren. Der Anwalt des Angeklagte hat bereits angekündigt, in Revision gehen zu wollen.

Steuerberater fühlte sich schikaniert

Der 55-jährige Steuerberater aus Fockbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hatte gestanden, Anfang September den Abteilungsleiter der Finanzbehörde erschossen zu haben. Seine Pistole habe er aber aus Versehen dabei gehabt, sagte der Angeklagte und bestritt Mordabsichten. Der Mann fühlte sich seit Jahren von der Behörde schikaniert.

Mann galt im Finanzamt als Querulant

Am Tag der Todesschüsse soll es zwischen dem Angeklagten und dem Abteilungsleiter einen lautstarken Streit gegeben haben. Dann fielen Schüsse. Der Angeklagte wurde noch mit der Waffe in der Hand im Büro des Opfers festgenommen. Der Angeklagte galt in der Behörde schon lange als Querulant, seine Anträge als "spitzfindig" und "arbeitsintensiv", wie Finanzbeamte aussagten. Der angeklagte Steuerberater hatte indes gleich zu Prozessbeginn beklagt, dass man ihn seit 20 Jahren behindere und seine Mandanten vergraule.

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Mitten im Gespräch zog er offenbar die Waffe: Im Finanzamt Rendsburg hat ein Mann einen Mitarbeiter der Behörde erschossen. Die Polizei stellte den mutmaßlichen Täter. Er ist Steuerberater. (01.09.2014) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.04.2015 | 12:00 Uhr