Stand: 25.07.2015 12:00 Uhr

30 Jahre Bambus Bar: Mondsüchtig in List

von Simone Steinhardt

Er war so gerne auf Sylt. So gerne, dass er darüber Lieder wie "Ich bin so gerne auf Sylt" schrieb. Die gab er um Mitternacht auf den legendären Vollmondpartys auf dem Dach seiner Bambus Bar in List zum Besten. Die Rede ist von Bambus Klaus: Barbetreiber, Sänger, Paradiesvogel und Sylter Original. Gestern hätte er seine 30-jährige Jubiläumsparty gefeiert. Doch Bambus Klaus starb vor drei Jahren an Lungenkrebs. Seinem Bruder Wolfgang Gdanietz nahm der das Versprechen ab, die Bar weiterzuführen. Vergangenes Jahr starb auch er an Lungenkrebs.  Jetzt steht dessen Frau Elli Vogel-Gdanietz hinter dem Tresen. Gestern hatte sie eine große Party organisiert - zu Ehren von Bambus Klaus und ihrem Mann, um das 30-jährige Jubiläum der Bar zu feiern. Für die studierte Diplom-Designerin eine emotionale Achterbahnfahrt. "Die Bar ist auch mein Leben. Wolfgang und Klaus haben sich diese Party gewünscht", sagt Elli Vogel-Gdanietz. Man merkt ihr an, wie schwer es ihr gefallen sein muss, diese Jubiläumsparty zu organisieren. 

Mondscheinpartys machten Bambus Klaus berühmt

Vom Zahntechniker zum Barbetreiber

Kneipier Bambus Klaus war gebürtiger Essener und eigentlich gelernter Zahntechniker. "Das war eher ein Beruf, den sich sein Vater für ihn gewünscht hatte. Für Klaus war das nichts", erzählt André Espitallier. Seit den 1970er Jahren war er mit Klaus befreundet. 1976 zog es den Franzosen auf die Nordseeinsel. Seinen Freund Klaus holte er nach, vermittelte ihm einen Job als Kellner. Zur Clique um Bambus Klaus gehörten auch die Sylterin Viola Lorenzen sowie Hana Hofmann. Hofmann bot man Mitte der 1980er Jahre einen Kiosk an. An einer Bushaltestelle, irgendwo mitten im Nirgendwo in den Lister Dünen, zwischen freilaufenden Schafen und einen Steinwurf vom Strand entfernt. Einen Kiosk, der bis dato nie richtig lief. "Doch ich habe 'Ja' gesagt und dann Klaus gefragt, ob er mit einsteigen will", erinnert sich Hana Hofmann. Klaus sagte ebenfalls "Ja" - auch, wenn es keine Liebe auf den allerersten Blick war, wie in seinen Memoiren "Das kleine Bambus-Buch" zu lesen ist:  "Es sah alles so unendlich trist aus mit dem vielen Klinker (…) Wir waren uns einig: Der Laden musste schöner werden."

Vollmondpartys wurden Kult

Das wurde "der Laden" dann auch: Gelb, fröhlich, wild und bunt - und ein einzigartiges Fleckchen Sylt. Dafür musste noch der passende Name her. "Ich wollte ja unbedingt was mit Bus (...) Bar am Bus, Bar am Meer - genau: Bar am Meer und Bushaltestelle, abgekürzt Bambus", schrieb Bambus Klaus in seinem Buch. "Er hat immer so viele Ideen gehabt, mit ganz kleinen Mitteln unheimlich viel gemacht", erinnert sich Viola Lorenzen. Tagsüber Kiosk, abends Location für mondsüchtige Nachtschwärmer - die Vollmondpartys wurden aus der Taufe gehoben und das Bambus avancierte zur Kultbar. "Sowas gab es damals auf Sylt nicht. Die Idee hat Klaus von Ibiza importiert, wo wir immer Urlaub machten", erzählen seine Freunde. Wehmut klingt mit, wenn sie über die Anfangszeiten der Bambus-Bar sprechen. "Wir waren unkompliziert und frei, haben es richtig krachen lassen. Jeder konnte hier sein, wie er wollte", erinnert sich Viola Lorenzen lächelnd.

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Sie kamen alle, um mit Elli Vogel-Gdanietz (r.) zu Ehren von Klaus und Wolfgang zu feiern: die "alte" Bambus Crew.

Der abgelegene Platz in den Lister Dünen war wie gemacht für die Bambus-Bar - und für die Auftritte seines charismatischen Betreibers. Er liebte es, bei den Vollmondpartys vom Dach aus selbst geschriebene Songs zu trällern, im matten Licht des Mondes, angestrahlt von einem Scheinwerfer. Und über tausend Besucher waren hin und weg. Zu ihnen zählten auch viele Westerländer Gastronomen, die sich noch spät in der Nacht auf den Weg nach List machten, "weil es damals ja noch die Polizeistunde in der Stadt gab", so André Espitallier. Doch irgendwann gab es keine Polizeistunde in Westerland mehr, dafür aber "immer mehr Partys, auch Vollmondpartys und Diskos. Dann kamen nicht mehr so viele Leute hierher", so Espitallier. Doch die Gäste, die kamen, liebten dieses besondere Fleckchen Sylt, das Bodenständige und die Leichtigkeit dieses Orts, der sich auch in 30 Jahren nicht verändert hat.

Zukunft ungewiss

Mit dem Tod von Bambus Klaus waren die Vollmondpartys ebenfalls Geschichte. "Diese Art von Partys - das konnte nur er, das war Klaus", sagt seine Schwägerin. Doch 30 Jahre Bambus feiern, das hatten sich die Brüder Klaus und Wolfgang gewünscht. So kam gestern eine bunte Gästeschar von mehreren hundert Menschen zusammen, so wie früher: Jung und Alt, Einheimische und Gäste. Ob es hier noch einmal eine Party geben wird, steht in den Sternen. Die Gemeinde List hat für das Gelände Bebauungspläne und auch Elli Vogel Gdanietz ist nicht sicher, ob sie weiter machen will an der Bushaltestelle: "Ich überlege nach der Party in Ruhe, was ich machen will." Für Klaus' langjährige Weggefährten war die Party gestern emotional. "Es ist schon komisch. Man denkt immer noch, gleich steht er auf dem Dach und singt 'Ich bin so gerne auf Sylt'", sagt Viola Lorenzen wehmütig. Doch sie ist froh, Teil der Bambus-Zeit gewesen zu sein. Wild und frei und unkompliziert. Und die Party gestern, die hätte Klaus gefallen, sagt sein Freund André Espitallier. "Ich bin sicher, er guckt uns zu, oben im Himmel."

Weitere Informationen

Sylter Kult-Sänger Bambus Klaus ist tot

20.11.2012 15:02 Uhr

Bambus Klaus, legendärer Barbetreiber und Kult-Sänger auf Sylt, ist tot. Der 55-Jährige starb am Wochenende in der Nordseeklinik. Seine Mondscheinpartys auf Sylt machten ihn berühmt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 25.07.2015 | 12:40 Uhr