Stand: 13.02.2016 16:17 Uhr

Mit weniger Antibiotika geht's auch

Schleswig-Holsteins Landwirte geben ihren Tieren offenbar weniger Antibiotika, als noch vor wenigen Jahren. Das ist ein Ergebnis des Meldesystems, das die Bundesregierung vor anderthalb Jahren einführte. Die Zahl der gemeldeten Antibiotikaeinsätze ging zwischen dem zweiten Halbjahr 2014 und dem ersten Halbjahr 2015 um mehr als 300 Meldungen zurück - von 2651 in 2014 auf 2315 in 2015, wie das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) mitteilt.

Ziel: immer weniger Antibiotika

"Wir nehmen durchaus wahr, dass der Einsatz sinkt, zumindest dass das Thema angekommen ist bei den Landwirten", sagt Nicola Kabel vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR). Alle Landwirte in Deutschland sind verpflichtet, über das staatlichen Monitoring ihren Antibiotikaeinsatz mit dem Bundesdurchschnitt zu vergleichen. Gehört ein Betrieb zu den 25 Prozent, die am deutlichsten über dem Durchschnitt liegen, muss der Landwirt einen Plan zur Senkung ausarbeiten. "Wir wollen dahin kommen, dass wir immer weniger Antibiotika einsetzen", betont Kabel.

Bauernverband: Arzneimittel als Hilfe

Gleichzeitig ist klar: Ganz ohne Antibiotika geht es nicht. Denn es gehe auch um die Gesundheit der Tiere, betont Dietrich Pritschau vom Bauernverband Schleswig-Holstein. "Wir brauchen Arzneimittel nicht als Standardmaßnahme, aber als Hilfe", sagt er. Nachdem das staatliche Monitoring eingeführt wurde, hatte Pritschau den Eindruck, "dass der eine oder andere Landwirt mit einer Vollbremsung reagiert hat, also versucht hat, gänzlich auf Arzneimittel zu verzichten." Das kann natürlich problematisch werden, wenn ein Tier ernsthaft erkrankt. Auf jeden Fall hat laut Pritschau bei den Landwirten ein Nachdenken über einen bewussteren Einsatz von Medikamenten eingesetzt.

MELUR will verpflichtende Nullmeldungen

Doch das eingeführte Monitoringsystem hat auch Schwächen. Denn die Bauern, die keine Antibiotika benutzen, können eine so genannte "Nullmeldung" abgeben, und damit erklären, dass sie gar keine Antibiotika einsetzen. Das müssen sie aber nicht. Das schafft Spielraum für schwarze Schafe. "Wir können nicht sagen, ob ein Betrieb nichts eingesetzt hat, oder schlicht vergessen hat, sich zu melden", sagt Kabel vom MELUR. Sie plädiert für verpflichtende Nullmeldungen. Tatsächlich gaben nach Informationen des Schleswig-Holstein Magazins im ersten Meldejahr 40 Prozent der Bauern im Land überhaupt keine Meldung ab.

Bauern fürchten Wettbewerbsverzerrung

Ein weiteres Problem: Um das Monitoring durchzusetzen sind Kontrollen nötig. Amtstierärzte des Landeslabors in Neumünster tauchen auf den Höfen auf, um Missbrauch von Antibiotika aufzudecken. Obwohl das Geld fehlte, wurden dafür fünf neue Mitarbeiter eingestellt. Deshalb kosten die Kontrollen in Schleswig-Holstein 190 Euro. Das ist nicht in allen Bundesländern so. Deshalb fürchten die Bauern im Land eine Wettbewerbsverzerrung.

Warum sind multiresistente Keime gefährlich?

Mit dem staatlichen Monitoring soll der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft verringert werden. Denn durch zuviel Antibiotika können multiresistente Keime entstehen. Während der Behandlung mit Antibiotika können Keime mutieren und Resistenzen gegen das Medikament entwickeln. Das heißt, das Medikament wirkt nicht mehr und die resistenten Keime vermehren sich. Werden nun mehrere Antibiotika eingesetzt, besteht die Gefahr, dass Keime Resistenzen gegen mehrere Mittel entwickeln. Sie werden also multiresistent. Das Problem dabei: Die Zahl der Antibiotika ist begrenzt. Irgendwann kann also ein krankes Tier oder ein kranker Mensch mit multiresistenten Keimen nicht mehr erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Gefährlich sind solche Keime vor allem für immungeschwächte oder verletzte Menschen. Sie können zum Beispiel Wundinfektionen oder eine Lungenentzündung verursachen.

Weitere Informationen

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Laut einer NDR Info vorliegenden Statistik werden insgesamt zwar weniger Antibiotika an Tierärzte geliefert. Allerdings reicht bei neueren Medikamenten eine niedrigere Dosierung aus. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.02.2016 | 19:30 Uhr