Stand: 19.02.2016 14:07 Uhr

Mit gutem Beispiel voran: Kita in Männerhand

Marlo Stolze wusste schon früh, was er werden wollte. Als Teenager stand für ihn fest, dass er mal im Kindergarten arbeiten würde. Seine Freunde belächelten ihn deswegen. Ein junger Mann, der in einem vermeintlichen Frauenberuf arbeiten will - das sorgte für Gehässigkeiten, erzählt Stolze. "Bist du selber noch ein Baby? Was willst du mit den Kleinen abhängen? Das ist ja peinlich." Solche Sprüche seien dann gefallen. "Aber da stand ich drüber", sagt er. Heute ist Stolze Erzieher in einer Kita der Johanniter in Itzehoe.

Drei Erzieher sind Männer - und der Chef auch

Auch wenn die Zahl der männlichen Erzieher seit Stolzes Jugend etwas zugenommen hat, sind heute laut einer aktuellen Studie des Bundesfamilienministeriums im Durchschnitt nur etwa 2,5 Prozent des pädagogischen Fachpersonals in Kitas Männer. Bei der Johanniter-Kita in Itzehoe ist das etwas anders. Dort arbeiten drei Erzieher, ein Praktikant - und auch der Leiter ist ein Mann. Dabei sind 90 Prozent der Bewerber immer noch Frauen.

Wickeln, trösten und Grenzen setzen

Auch die männlichen Erzieher in der Itzehoer Kita wickeln, trösten, setzen Grenzen. Sie spielen und sie fördern, fast genauso wie ihre weiblichen Kolleginnen. "Ein hoher Männer-Anteil ist für uns wichtig, gerade weil wir viele Alleinerziehende haben", sagt Kita-Leiter Steffen Harp. "Wir finden das sehr positiv, dass die Kinder mit beiden Geschlechtern aufwachsen, dass die Kinder sehen, Männer übernehmen die gleichen Aufgaben wie Frauen." Gerade für die Jungs ist es wichtig, dass es auch männliche Bezugspersonen gibt, das zeigen auch wissenschaftliche Studien. Hier können sich die Kinder aussuchen, an wen sie sich wenden.

"Ich kann stolz nach Hause gehen"

Mindestens drei Jahre dauert die Ausbildung zum Erzieher, solange gibt es kein Gehalt. Denn der schulische Teil ist zunächst unvergütet. Erst im Anerkennungsjahr – soweit dies zur Ausbildung gehört - gibt es ein Entgelt. Auch der Lärmpegel ist oft anstrengend, erzählen sie. Und trotzdem bereute hier noch keiner seine Berufswahl. "Kinder geben einem so viel, das ist für mich eine Genugtuung", sagt Stolze. "Ich kann stolz nach Hause gehen, ich freue mich, dass ich ihnen ein bisschen was mitgeben kann - das ist das Schönste, was ich mir vorstellen kann." Die Kinder profitieren davon. Auch die Eltern freuen sich über den Mann im klassischen Frauenberuf. Belächelt wird Marlo Stolze heute nicht mehr.

Weitere Informationen

Die neuen Kindergarten-Chefs kommen aus Flensburg

Die Ansprüche an Führungskräfte von Kindergärten und Kitas steigen. Die Europa-Universität Flensburg bietet als einzige Hochschule in Deutschland den Kita-Master an - offenbar ein Erfolgsmodell. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.02.2016 | 19:30 Uhr