Sendedatum: 28.07.2015 19:30 Uhr

Mit Lübecker Know-how: Warnung vor Starkregen

Dieses Szenario sorgt bei Feuerwehr und Katastrophenschutz regelmäßig für Alarmstimmung. Ein Unwetter mit besonders starken Regenfällen zieht über Schleswig-Holstein. Dabei kommen innerhalb von 24 Stunden bis zu 100 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel. Solche Extremwetter-Ereignisse sind eine Folge des Klimawandels - die dadurch verursachten Schäden immens . In Lübeck haben jetzt Wissenschaftler ein Projekt entwickelt, um sich auf Starkregenfälle besser vorbereiten zu können. Das Projekt heißt "Rain Ahead" - übersetzt: Regen im Anmarsch. Mit einem neuen Vorwarnsystem werden automatisiert Messdaten analysiert und daraus konkrete Vorhersagen für Starkregen-Ereignisse entwickelt.

Feuerwehr bekommt Vorwarnung

Das Projektteam möchte der Stadt Lübeck eine Hilfestellung geben: Steht ein Unwetter mit heftigen Niederschlägen an, bekommt zum Beispiel die Feuerwehr 60 Minuten vorher eine Vorwarnung, erklärt Thomas Einfalt vom Projektteam. Die Wissenschaftler kennen jede Senke im Lübecker Stadtgebiet und haben alle Daten im Computer. Sie können genau berechnen, bei wieviel Regen die Kanalisation in welcher Straße überläuft. Die Leitstelle der Lübecker Berufsfeuerwehr bekommt dann genaue Infos, welche Stadtteile wie stark betroffen sein werden.

Die Feuerwehr Lübeck hat die Erfahrung gemacht, dass bei schweren Unwettern aus 80 Anrufern pro Stunde schnell 80 pro Minute werden können. Statt vier Disponenten in der Notrufzentrale können nun innerhalb kürzester Zeit bis zu zwölf Personen im Einsatz sein. Meldet "Rain Ahead" Starkregen, alarmiert die Feuerwehr eine Einrichtung mit ehrenamtlichem Personal, das die Leitstelle dann verstärkt. Außerdem wird die freiwillige Feuerwehr frühzeitig in Bereitschaft versetzt. "So sind die vorbereitet und wir können schneller reagieren", sagt Bernd Neumann von der Berufsfeuerwehr Lübeck.

Welche Bereiche sind besonders durch Starkregen bedroht?

Wo kann Regen gut ablaufen oder versickern? In welchen Flächen sammelt sich das Wasser, wenn die Kanalisation überfordert ist? Durch die Analysen können zum Beispiel auch bauliche Verbesserungsvorschläge gemacht werden für Bereiche, die durch Starkregen besonders bedroht sind. Im Lübecker Hochschulstadtteil beispielsweise gibt es zwar ein eigenes Regenrückhaltebecken und einen Park, die bei Unwettern als Puffer dienen und große Wassermengen aufnehmen können. Aber es gibt auch Gebäude und Straßen, die immer wieder überschwemmt werden würden, wenn keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden.

Extremwetter besser in den Griff bekommen

Auch bei zukünftigen Stadtplanungsprojekten ist der Rat der "Rain Ahead"-Experten gefragt. Denn nur durch deren Modelle kann vorhergesagt werden, welche Wassermengen zu erwarten sind und von der Kanalisation abgeleitet werden müssen. Thomas Einfalt sieht "Rain Ahead" als Leuchtturmprojekt auch für andere Gemeinden in Schleswig-Holstein. Es könne eine Möglichkeit sein, die zunehmenden Extremwetter-Ereignisse besser in den Griff zu bekommen.

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Schleswig-Holstein Magazin | 28.07.2015 | 19:30 Uhr