Stand: 31.03.2016 13:34 Uhr

Missbrauch in Erstaufnahme? Haftbefehle erlassen

In der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt (Kreis Segeberg) soll ein kleines Kind sexuell schwer missbraucht worden sein. Nach Angaben der Polizei soll sich ein 21 Jahre alter Bewohner an einem vierjährigen Jungen vergangen haben. Die Tat ereignete sich laut Polizei am späten Dienstagabend. Gleichzeitig soll ein 29-jähriger Mann einen acht Jahre alten Jungen, der Zeuge gewesen sei, bedroht haben. Der Wachdienst alarmierte die Polizei. Die Beamten nahmen beide Männer fest. Das Amtsgericht Neumünster hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen sie erlassen. Der Richter sah einen dringenden Haftgrund wegen "schweren sexuellen Missbrauchs" und Beihilfe zu diesem. Wegen der kindlichen Opfer werde mit Hochdruck an der Aufklärung gearbeitet, sagte der Kieler Staatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer NDR 1 Welle Nord.

Nicht zweifelsfrei geklärt, was passierte

Die ehemalige Kaserne in Boostedt hat etwa 2.000 Erstaufnahmeplätze für Flüchtlinge. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Innenministeriums leben dort zurzeit aber nur etwa 780 Menschen. Die Flüchtlinge werden von dort aus auf die Kreise und Städte verteilt. Auf die Frage nach möglichen Konsequenzen aus dem vermuteten Missbrauchsfall sagte die Sprecherin des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten (LfA), Magdalena Drywa: "Wir warten jetzt den Stand der Ermittlungen der Polizei ab." Bisher sei nicht klar, ob sich der Verdacht bestätigt. "Wir müssen erst einmal belastbare Fakten haben", sagte Drywa. Von anderen Fällen dieser Art in Boostedt sei ihr nichts bekannt.

Staatssekretär in Berlin fordert Umbauten

Unabhängig von dem Vorfall im Kreis Segeberg will das Bundesfamilienministerium offenbar etwas am Status quo in Flüchtlingsunterkünften ändern. Die Einrichtungen sollen sicherer werden. Kommunen, die Unterkünfte entsprechend umbauen wollen, sollen nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziell unterstützt werden. Städten und Gemeinden stünden ab sofort Darlehen für Investitionen in den Neu- und Umbau sowie für den Erwerb von Flüchtlingsunterkünften zur ausschließlichen Nutzung durch Frauen und Kinder zur Verfügung, so ein KfW-Sprecher. Familienstaatssekretär Ralf Kleindiek betonte, dass zum Beispiel "abschließbare Wohneinheiten und nach Geschlechtern getrennte Sanitäranlagen" nötig seien.

Weitere Informationen

Wenn die Flucht in Schleswig-Holstein endet

2015 kamen fast 55.000 Asylsuchende neu in Schleswig-Holstein an, 2016 hat sich die Lage entspannt. Doch viele Fragen rund um das Thema Flucht, Flüchtlinge und Integration bleiben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 31.03.2016 | 12:00 Uhr