Stand: 08.02.2016 20:15 Uhr

Missbrauch: Kieler Polizei weist Kritik zurück

Zwei kleine Mädchen wurden im Kieler Stadtteil Gaarden anscheinend von ein und demselben Mann missbraucht. Der mutmaßliche Täter war den Behörden schon nach dem ersten Missbrauchsfall bekannt, blieb aber auf freiem Fuß. Die Verantwortlichen der Stadt Kiel und die Staatsanwaltschaft hatten sich dazu schon geäußert - am Montag ging die Polizei wegen der massiven Vorwürfe in die Offensive. Die Polizeiführung wies Kritik an ihrer Arbeit zurück. Man habe zügig und intensiv an der Aufklärung beider Straftaten gearbeitet und sich nichts vorzuwerfen, sagte der Leiter der Kieler Polizeidirektion, Thomas Bauchrowitz.

Polizei: Kein Kommentar zur Arbeit der Staatsanwaltschaft

In den vergangenen Tagen waren Vorwürfe gegen die Ermittler laut geworden, weil der mutmaßliche Täter nach dem ersten Missbrauch an einem fünfjährigen Mädchen Anfang Januar nicht inhaftiert worden war. Ende Januar soll sich der 30-Jährige an einer Siebenjährigen vergangen haben. Fehler oder Kommunikationsprobleme zwischen seiner Behörde und der Staatsanwaltschaft beziehungsweise dem Gesundheitsamt der Stadt Kiel hat es nach Ansicht der Polizei nicht gegeben. Nach der ersten Tat hätte die Polizei drei Mal eine Untersuchungshaft des mutmaßlichen Täters bei der Staatsanwaltschaft angeprochen, sagte Polizeichef Bauchrowitz: "Die Bewertungen, die dort vorgenommen werden, habe ich nicht zu kommentieren." Die Polizei könne nur zuliefern, was für eine Entscheidung über eine Untersuchungshaft gebraucht wird. Ob die Polizei gemeint habe, genug getan zu haben? "Genau", antwortete der Chef der Polizeidirektion.

Staatsanwaltschaft prüfte ausschließlich U-Haft

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Die Staatsanwaltschaft hatte bis nach der zweiten Tat aber keine Haftgründe gesehen. Die Polizei war also machtlos. In der vergangenen Woche sprach der Sozialdezernent der Stadt Kiel, Gerwin Stöcken, von einem entscheidenen Punkt in den Ermittlungen: dem 18. Januar, knapp zwei Wochen nach der ersten Tat. Damals hatte die Mutter des mutmaßlichen Täters um Hilfe gebeten, sie habe Angst um und vor ihrem Sohn. Zu dem Zeitpunkt hätten aus Sicht von Stöcken alle eine "Ausfahrt nehmen müssen". Den Vorwurf will sich die Polizei nicht gefallen lassen.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Informationen von NDR 1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin ausschließlich Untersuchungshaft geprüft, nicht aber eine kurzfristige Unterbringung nach Paragraph 81 der Strafprozessordnung. Der regelt die Unterbringung eines Beschuldigten zur Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens - in einem Krankenhaus.

Polizei: Keine konkreten Hinweise

Die Polizei teilte am Montag auch weitere Einzelheiten mit. Demnach habe die Mutter des Tatverdächtigen am 8. Januar am Polizeinotruf Sorgen bezüglich ihres Sohnes geschildert, aber auch auf mehrfache Nachfrage verneint, dass von ihm "eine konkrete Fremd- oder Eigengefährdung" ausgehe. Die Ex-Ehefrau des 30-Jährigen gab laut Polizei bei einer Vernehmung am 12. Januar auch keine Hinweise auf pädophile Neigungen. Der Allgemeine Soziale Dienst der Stadt habe ebenfalls keine solchen Hinweise gehabt. Am 18. Januar - zwölf Tage nach dem ersten Fall - verneinte die Mutter pädophile Neigungen ihres Sohnes ausdrücklich. Sie habe aber auf akute psychische Probleme hingewiesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.02.2016 | 22:00 Uhr