Stand: 10.02.2016 20:21 Uhr

Missbrauch: Behörden wollen enger kooperieren

Das Gesundheitsamt der Stadt Kiel, die Polizei und die Staatsanwaltschaft wollen in Zukunft besser und schneller zusammenarbeiten, um Sexualstraftaten aufzuklären beziehungsweise zu verhindern. Die drei Behörden planen, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, in der sie Wissen zu einzelnen Tatverdächtigen austauschen können. "Wir sehen, dass wir nicht schnell genug miteinander kommunizieren", sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Birgit Heß nach einem Treffen mit dem Kieler Sozialdezernenten Gerwin Stöcken und dem Leiter der Polizeidirektion, Thomas Bauchrowitz.

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Ein Mann soll in Kiel Anfang und Ende Januar zwei Kinder sexuell missbraucht haben. Er war dem Gesundheitsamt der Stadt, der Staatsanwaltschaft und der Polizei bekannt. Eine Chronik. mehr

Heß hatte die Behördenleiter zu dem Treffen eingeladen. Hintergrund sind zwei Fälle von Kindesmissbrauch im Januar, die ein Mann begangen haben soll. Nach der ersten Tat stand er unter dringendem Verdacht. Er wurde aber nicht verhaftet - die Staatsanwaltschaft ist der Überzeugung, dass die rechtlichen Voraussetzungen dafür in diesem Fall nicht erfüllt waren. Der psychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes hatte den 30-Jährigen vor zwei Jahren in eine Klinik eingewiesen. Die Mutter des Mannes machte Polizei und Gesundheitsamt zwischenzeitlich darauf aufmerksam, dass es ihrem Sohn schlechter geht. Sozialdezernent Stöcken hatte in der vergangenen Woche Versäumnisse eingeräumt. Aus seiner Sicht hätten sozialpsychiatrischer Dienst, Polizei und Staatsanwaltschaft vorher handeln können. Die Polizei hatte am Dienstag Kritik an ihrem Verhalten zurückgewiesen.

Datenschützer sollen Arbeitsgruppe beraten

Die nun ins Leben gerufene Arbeitsgruppe soll sich bereits in den kommenden Tagen zusammenfinden und sich zunächst in relativ kurzen Abständen treffen. Angedacht ist, dass Sachbearbeiter des Gesundheitsamtes das Gremium im Bedarfsfall zusammenrufen können. Um dem Datenschutz gerecht zu werden, wollen die Behörden auch das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) mit ins Boot holen. Das Gremium sei aber "keine Garantie, dass das nie wieder passiert", sagte Sozialdezernent Stöcken mit Blick auf die beiden im Januar im Stadtteil Gaarden sexuell missbrauchten Mädchen.

Oberstaatsanwältin Heß betonte, dass sich die neue Expertenkommission in vergleichbaren Fällen, bei denen es einen Tatverdächtigen gibt, künftig austauscht: "Das ist der Plan."

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.02.2016 | 22:00 Uhr