Stand: 10.05.2017 11:30 Uhr

Meeresatlas aus Kiel soll alarmieren

Der Kieler Forschungsverbund "Ozean der Zukunft" und die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung haben in Berlin den Meeresatlas 2017 vorgestellt. Die Lösungsansätze des komplett in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt erstellten Atlas sollen dazu beitragen, gesunde Meeres- und Küstenökosysteme zu erhalten. Zunächst aber zeigen die Forscher einen alarmierenden Status Quo auf. Die Weltmeere seien überfischt, verschmutzt und vermüllt. Sie heizten sich auf und versauerten, die Artenvielfalt nehme ab. Das sind die wesentlichen Botschaften der Experten, die unter anderem an der Kieler Universität und dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung arbeiten.

Atlas soll auf UN-Konferenz gezeigt werden

Der Atlas soll im Juni auf der "Ocean Conference" der Vereinten Nationen in New York präsentiert werden. Die Herausgeber sehen darin einen ersten Erfolg. "Es liegt in unserer Hand, katastrophale Entwicklungen zu verhindern", sagt Martin Visbeck, Sprecher des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft". Nach Angaben der Forscher verändern sich die Weltmeere durch menschliche Eingriffe immer schneller. Dort lebende Ökosysteme wandelten sich zum Teil rapide. Die Ozeane sind nach Angaben der Wissenschaftler zwar in der Lage, die Klimaerwärmung abzudämpfen. Das aufgenommene Kohlenstoffdioxid lasse sie aber versauern. Die Folge sind tiefgreifende Auswirkungen auf die Nahrungskette.

Überfischung, Plastikmüll und Aquakulturen

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Plastikmüll: Eines der großen Probleme, die der Meeresatlas anprangert.

Inzwischen lasse sich die Erwärmung sogar in der Tiefsee dokumentieren, schreiben die Forscher. Hinzu komme, dass bereits 58 Prozent der globalen Fischbestände maximal genutzt werden - 31 Prozent seien bereits überfischt. Manche Bestände - z.B. von Schwertfisch, Hai oder Kabeljau - seien um bis zu 90 Prozent geschrumpft. Tiergruppen wie Wale oder Seeschildkröten seien bedroht oder stünden vor dem Aussterben. Plastikmüll und Aquakulturen verschärften das Problem, heißt es in dem 50 Seiten starken Meeresatlas, der kostenlos ausgegeben und auf Anfrage Bildungseinrichtungen als Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt wird.

Forscher: Folgen des Tiefseebergbaus ungeklärt

Bei Aufklärung wollen es die Verfasser jedoch nicht belassen. Sie sagen Strömungsveränderungen voraus, die das regionale Klima massiv verändern könnten. Außerdem fordern sie "ein globales Moratorium für Rohstoffgewinnung und Tiefseebergbau". Die Auswirkungen des Tiefseebergbaus auf das Gesamtsystem Meer und somit auch Klima und Küsten seien nicht abzusehen. Dennoch erteile die Internationale Meeresbodenbehörde weiter sogenannte Explorationslizenzen, mit denen Staaten Rohstoffe in der Tiefsee abbauen dürfen. Stiftung und Forscher wollen einen Stopp, "bis potenzielle Folgen und notwendige Grenzen geklärt sind".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.05.2017 | 12:00 Uhr

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