Stand: 21.01.2016 11:18 Uhr

Marode Lübecker MuK: The Show must go on

Es ist wuselig im Foyer der Lübecker Musik- und Kongresshalle (MuK). Mitarbeiter schleppen große Bauteile herein, jeweils etwa so groß wie ein Esstisch. Unter Podesten liegen Techniker und schrauben die Bauteile zusammen. Sie errichten Stück für Stück eine 18 Meter breite Bühne. Die Zeit drängt. Am nächsten Tag will das NDR Sinfonieorchester vor mehr als 1.000 Zuschauern spielen - aber eben im Foyer, nicht im Konzertsaal.

Eingangshalle statt Konzertsaal

Politik entscheidet über Zukunft

Der große Saal ist seit September wegen statischer Mängel und Brandschutzproblemen gesperrt. Und noch immer weiß niemand, wie es mit der MuK weitergeht. Die Sanierung soll mehr als 22 Millionen Euro kosten, nur zwei Millionen davon will das Land übernehmen. Den genauen Kostenplan legt Bürgermeister Bernd Saxe in der kommenden Woche vor. Dann berät die Lübecker Bürgerschaft über die Zukunft der Musik- und Kongresshalle. Die Politiker sollen entscheiden, ob Gelder für eine Sanierung freigegeben werden. Doch trotz der großen Ungewissheit: Die tägliche Arbeit in der MuK muss weitergehen.

"Beim Einschlafen Stühle zählen"

Veranstaltungen

Balkan-Klänge in der MuK

22.01.2016 19:30 Uhr
NDR Elbphilharmonie Orchester

Juraj Valčuha und Klarinettistin Sabine Meyer entführten das Lübecker Publikum mit Werken von Illés, Bartók, Ligeti und Janáček in osteuropäische Klangräume. mehr

Aufbau, Abbau und Veranstaltungsplanung sind durch den gesperrten Konzertsaal komplizierter geworden. "Wir müssen im Foyer jetzt immer wieder Bühnen auf und abbauen", erklärt Techniker Henning Otte. Für den Auftritt des NDR Sinfonieorchesters mussten Otte und seine Kollegen ein neues Bühnenkonzept entwerfen. Zonen, in denen zum Beispiel Requisiten gelagert werden, mussten sie aus dem Nichts schaffen. "Nicht selten wird bei solchen Events rund um die Uhr gearbeitet", berichtet Otte. Seine Kollegin Lisa Hettler absolviert eine Ausbildung als Veranstaltungskauffrau in der MuK. Für die einzelnen Produktionen entwirft sie immer wieder neue Sitzpläne. Gerade hat sie 1.300 Stühle mit Sitznummern beklebt. "Beim Einschlafen werden dann keine Schäfchen, sondern Stühle gezählt", scherzt die Auszubildende. Wenn der Konzertsaal wieder zur Verfügung steht, fällt dieser anstrengende Teil der Arbeit weg. Trotzdem macht Lisa der Job Spaß.

Zwischen Bangen und business as usual

Sie würde gern auch nach ihrer Ausbildung für die MuK arbeiten. Mit Blick auf die Bürgerschaftssitzung in der kommenden Woche ist sie etwas nervös. "Es geht ja nicht nur um meine Zukunft, sondern um die von 27 Mitarbeitern." Chef-Gastronom Carsten Henßel gibt sich gelassener: "Ich versuche mich einfach auf die Dinge zu konzentrieren, die ich ändern kann. Ich hoffe einfach, dass die Bürgerschaft dann das ändert, was sie ändern kann." Kämpferisch klingt Pressesprecherin Gesa Lüdeke: "Trotz der Ungewissheit blicken wir nach vorn. Lübeck braucht die Muk. Wir sind aus der Hansestadt nicht wegzudenken."

Mitarbeiter engagieren sich für Erhalt

Neben der Pressearbeit für die Veranstaltungen organisiert Lüdeke eine Kampagne für den Erhalt der Musik- und Kongresshalle. Bereits seit zwei Wochen verteilt sie in der Stadt gelbe Anstecker mit der Aufschrift "Lübeck liebt MuK". Außerdem haben Lüdeke und ihr Team 3.000 Unterschriften gesammelt. "Das ist ein klares Zeichen der Lübecker für den Erhalt." Nervös ist die Pressesprecherin vor der Bürgerschaftssitzung nicht. Wichtig sei es jetzt vielmehr, sich auf die anstehenden Veranstaltungen zu konzentrieren.

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