Stand: 30.06.2015 15:42 Uhr

Lübecker Brandanschlag: Belohnung für Hinweise

Nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft im Lübecker Stadtteil Kücknitz hat die Staatsanwaltschaft eine hohe Belohnung ausgesetzt. Für Hinweise, die zur Festnahme der Täter führen, gibt es nach Angaben des Lübecker Oberstaatsanwalts Ralf Peter Anders 10.000 Euro. Er bestätigte zudem, dass eine Sonderermittlungsgruppe beim Staatsschutz gebildet wurde. Ein Sachverständiger hat den Brandort inzwischen untersucht. Fest steht laut Anders, dass der Brand an zwei Stellen in einem der Rohbauten gelegt worden war. Damit ist endgültig klar, dass ein oder mehrere Brandstifter für den Vorfall verantwortlich sind.

120 Flüchtlinge sollen dort unterkommen

Die Feuerwehr hatte die Flammen auf der Baustelle am Montagmorgen innerhalb weniger Minuten löschen können. Verletzt wurde niemand. Die Ermittler gingen bereits in einer ersten Stellungnahme von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus - zumal ausländerfeindliche Parolen in der Nähe gefunden wurden. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) verurteilte die Tat. Er hoffe auf eine gleichbleibende große Zustimmung und Solidarität mit der beabsichtigten Gemeinschaftsunterkunft in dem Stadtteil, sagte er. In der Solmitzstraße entstehen Wohnungen als vorübergehende Unterkunft für 120 Flüchtlinge. Dort sollen Menschen einziehen, die bereits einen Asylantrag gestellt haben und der Kommune vom Land zugewiesen werden.

Albig: Es war nicht nur ein Gebäude

Ministerpräsident Torsten Albig verurteilte den Anschlag, der einen Sachschaden von 1.000 Euro verursacht hatte, als feige. Niemand solle sagen, es sei nur ein Gebäude gewesen, sagte der SPD-Politiker: "Es ist ein Gebäude, in dem Menschen Zuflucht finden sollen, die vor Verbrechern auf der Flucht sind, die vor Verfolgung auf der Flucht sind, Angst um ihr Leben haben. Und jetzt gibt es wieder auch bei uns welche, die feige sind, die rassistisch sind."

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Ausländerfeindliche Botschaften in Kücknitz

Auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft im Lübecker Stadtteil Kücknitz hat es offenbar einen Brandanschlag gegeben. Rund um das Gelände finden sich unzweideutige Botschaften. Bildergalerie

Pröpstin fordert Bekenntnis zu Flüchtlingen

"Die Lübecker Bevölkerung sollte sich klar und deutlich hörbar dazu bekennen, dass Flüchtlinge in unserer Stadt willkommen sind und wir ihnen Schutz gewähren", forderte die Pröpstin des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Lübeck, Petra Kallies. Der innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen, Burkhard Peters, forderte, dass der mutmaßliche Anschlag rasch und konsequent aufgeklärt werden muss. "Die Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund müssen ernst genommen werden. Zumal sich die Anzeichen für rechtsextreme Aktivitäten in der Region und eine Vernetzung über die Landesgrenzen hinweg jüngst verdichteten", sagte er. 

Kücknitz ist kein Problem-Stadtteil

In Kücknitz gibt es bereits Unterkünfte für Flüchtlinge. Die Bewohner sind nach Informationen von NDR 1 Welle Nord gut in die Integrationsarbeit einbezogen. Es gibt einen engagierten Helferkreis. Nach dem Brandanschlag versammelten sich spontan etwa 100 Kücknitzer, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren.

Das Thema Flüchtlinge hatte in Lübeck, das in diesem mit bis zu 2.000 Flüchtlingen rechnet, in der vergangenen Woche für Schlagzeilen gesorgt. Die Bürgerschaft entschied sich gegen den Verkauf eines Grundstücks im Wohngebiet Bornkamp, auf dem das Land eine Erstaufnahmeeinrichtung bauen wollte. Einen Zusammenhang zwischen der Entscheidung der Bürgerschaft und dem Brand in Kücknitz schloss Bürgermeister Saxe aus.

In Schleswig-Holstein hatte es erst im Februar einen Anschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Escheburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) gegeben. Ein 39 Jahre alter Finanzbeamter gestand kurz darauf, Pinselreiniger in das noch unbewohnte Haus gegossen und Feuer gelegt zu haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.06.2015 | 15:00 Uhr