Stand: 01.07.2017 10:15 Uhr

Lernen, staunen, anfassen hinterm Büsumer Deich

von Carsten Rauterberg

Gerald Diekmann, einer von 15 Phänomania-Mitarbeitern in Büsum, ist erschöpft und gleichzeitig auch richtig glücklich. Alle rund 200 Experimentier-Stationen der neuen Erlebnis-Ausstellung Phänomania in Büsum sind rechtzeitig zur Eröffnung fertig geworden. "Es hat alles geklappt, die Besucher können kommen", sagt der 46-jährige Büsumer. Er ist Physiklehrer in der Büsumer Schule am Meer und arbeitet nebenbei bei Phänomania mit. "Ich hatte von der Eröffnung gehört, mich dann beworben und nach einem Vorstellungsgespräch dann gleich die Zusage bekommen", erzählt Diekmann. Naturwissenschaftliche Phänomene erklären, das bringe ihm richtig Spaß. "Ich freue mich schon darauf, den ersten Schulklassen die Stationen zu zeigen und zu erklären."

Naturwissenschaft hautnah - Phänomania Büsum

Das Parfum der Ex-Freundin und die Wissenschaft

Gleich im ersten Raum können die Besucher aber erstmal selbst ihre Sinne testen: An einem Duftbaum sollen sie 24 verschiedene Gerüche erraten. Gleichzeitig wollen die Macher an der Station das Geruchsgedächtnis darstellen. Das funktioniere nicht logisch, sagt Phänomania-Geschäftsführer Daniel Jarackas - sondern Gerüche würden sich immer mit Gefühlen verbinden. Wenn er sich zum Beispiel von einer Freundin getrennt habe und dann plötzlich wieder das Parfum der Ex-Partnerin rieche, werde er automatisch sentimental und traurig, so Jarackas. Zum Beispiel würden bei dem Geruch von Birken-Teer, das aus verbrannter Birken-Rinde entsteht, viele Menschen auch eher an Räucherfisch oder Räuscherschinken denken. Die Assoziationen zu Gerüchen seien oft individuell und oft überhaupt nicht logisch.   

Auch Kinder können einen Trabbi heben

Ein Stück weiter in der großen Halle steht ein echter Trabbi, davor ein Autorad und ein langer Hebel aus Holz. Dieser Trabbi-Heber soll zeigen, dass sogar die jüngsten Besucher ein Auto anheben können. "Je länger der Hebel, desto weniger Kraft muss man aufbringen", sagt Phänomania-Mitarbeiterin Ute Wiesenthal. Besucherin Emese Clark probiert das gleich. Die zierliche Frau schafft es sofort, den Trabbi hochzuhebeln. "Das hätte ich nicht gedacht, das geht ja ganz einfach", sagt sie und strahlt. Ute Wiesenthal legt zum Beweis ihre Hand unter den Trabbi: Es ist ordentlich Platz zwischen dem Fußboden und dem Auto in der Luft - also kein Fake, sondern tatsächlich ein angehobener Trabbi.

Spieglein, Spieglein im Dreieck

Emese Clark hat jetzt Lust auf noch mehr Experimentier-Stationen und testet das Kaleidoskop. Das ist ein kleiner Raum in der großen Phänomania-Halle, vollgehängt mit Spiegeln. "Wir haben hier dreieckig angeordnete Spiegel aufgehängt", erklärt Ute Wiesenthal. "So entsteht eine Reflexion der Person, die gerade drinsteht." Besucherin Emese Clark, die sonst manchmal etwas kritisch mit ihrem Aussehen ist, probiert es aus und lacht. "Hier habe ich kein Problem, sieht echt gut aus."

Paukenluft pustet Kerze aus

An einer anderen Stelle in der großen Phänomania-Halle erklärt Diekmann gerade, was eine Pauke mit einer brennenden Kerze zu tun hat, die fünf Meter entfernt auf einem Tisch steht. "Der Besucher haut mit der Hand auf die Pauke, die Luft in der Pauke wird mit einem Schlag verdichtet und tritt aus einem kleinen Loch aus der Pauke aus", sagt Diekmann. Die Luft fliege dann wie ein unsichtbarer Tennisball durch die Luft und treffe auf die Kerze. "Und die Kerze erlischt."

Schwingender Draht erzeugt Wellen

Eines der Lieblingsexperimente von Physiklehrer Diekmann ist aber die "schwingende Feder". Man dreht an einer Holz-Kurbel, an der ein 20 Meter langer Draht  befestigt ist. Hier geht es um das Phänomen der longitudinalen Wellen. "Die Bewegung wird nach vorne weggeschickt, die Welle dehnt sich aus wie beim Schall nach vorne", sagt Diekmann. "Bei der transversalen Welle geht es etwas anders: Die Bewegung geht von rechts nach links, die Welle geht rasch gerade nach vorne weg, obwohl die eigentliche Bewegungsachse von rechts nach links geht." Diekmann ist ganz in seinem Element.

Neugierde und Aufbruchstimmung

Er freut sich über seinen kleinen Nebenjob bei Phänomania. Auch die Stimmung im Ort sei absolut positiv. "Viele Büsumer sind total neugierig und gespannt, was wir hier aufgebaut haben", sagt er. "Und viele sagen schon jetzt, das ist ein tolles Schlechtwetterangebot für die vielen Urlauber, genau so was hat in Büsum gefehlt." Die ersten Gäste im Erlebniszentrum Phänomania sind jedenfalls begeistert, auch Emese Clark. "Bei einigen Stationen habe ich keine Ahnung, wie das funktioniert", sagt sie. "Manchmal habe ich gedacht: Hätte ich in der Schule besser aufgepasst, dann wüsste ich vielleicht einiges - aber so steht man hier mit dem Wow-Effekt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.06.2017 | 17:00 Uhr

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