Stand: 25.01.2016 19:04 Uhr

Landwirte belasten Wasser stärker als bekannt

Grundwasser und Oberflächenwasser in Schleswig-Holstein leiden unter der intensiven Tierhaltung und den vielen Biogasanlagen. Die Belastungen seien absolut Besorgnis erregend, sagte Professor Friedhelm Taube von der Universität Kiel. Er und andere Forscher hatten im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums den ersten Nährstoffbericht für das Land erstellt. "Wir sehen seit mehr als zehn Jahren keine Verringerung bei der Belastung der Gewässer mit Nitrat und der Luft mit Ammoniak", erklärte Taube. Der Stickstoffüberschuss sei weit höher als erlaubt.

Zu viele Tiere auf zu wenig Raum

Das Problem sind zu viele Tiere auf zu wenig Raum. Besonders betroffen von den Belastungen sind Gebiete mit intensiver Tierhaltung und mit vielen Biogasanlagen. In Schleswig-Holstein beträgt der Überschuss mindestens eine Million Tonne Gülle und Gärreste. In den letzten Jahren nahm der Gülle-Abfall noch weiter zu, denn die Anzahl der Milchkühe stieg im Norden von 2009 bis 2013 um 35.000 auf 400.000. Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) forderte den Bund zum Handeln auf: "Wir müssen die Einträge von Stickstoff dringend reduzieren, um das Trinkwasser künftiger Generationen zu schützen."

Die Forscher haben für den Nährstoffbericht die Nitratbelastung an Messstellen im ganzen Land überprüft.
EU droht mit Strafgeld

Einen Wachstumsstopp für Milcherzeuger lehnt Robert Habeck dennoch ab. Das würde die Betriebe in den Ruin führen, so der Minister. Habeck fordert vom Bund verschärfte Vorgaben: "Deutschland verfehlt die Ziele des Gewässerschutzes und kommt mit der Düngeverordnung nicht in die Puschen." Deutschland sei weit davon entfernt, die gesetzlichen Vorgaben der EU einzuhalten. Die droht mit einem Strafgeld, falls die Nährstoffbelastung nicht drastisch gesenkt wird. Habeck kündigte ein neues Förderprogramm für Landwirte an. Eine Million Euro im Jahr sollen bei der Umstellung auf Düngetechniken helfen, die den Boden und die Gewässer schonen.

Landwirte wollen bei Frost düngen

Der Bauernverband erklärte zum Nährstoffbericht, die Landwirte seien sich ihrer Verantwortung für einen zielgerichteten und optimierten Einsatz organischer und mineralischer Düngemittel bewusst. "Gülle und Gärreste optimal als Dünger zu nutzen, liegt im Interesse des Landwirts selbst", schreibt der Verband in einer Mitteilung. "Zur weiteren Minimierung von Stickstoffverlusten wäre vor allem die Ausbringung während der Bodenfrostperiode eine gute Möglichkeit." Die Betriebe könnten die Wirtschaftsdünger bodenschonend bei niedrigen Außentemperaturen ausbringen, "wodurch die unvermeidbaren Ausgasungsverluste erheblich gesenkt werden könnten".

Weitere Informationen
mit Video

Niedersachsen: Zu viel Mist auf den Feldern

Auch wenige Viecher machen offenbar viel Mist: Obwohl es weniger Schweine und Geflügel in niedersächsischen Ställen gibt, ist die Menge an Gülle laut Agrarminister Meyer erneut angestiegen. (13.01.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.01.2016 | 15:00 Uhr