Stand: 11.10.2017 20:55 Uhr

Landwirt Muus ist der Einheizer von Horsdorf

von Lea Busch

Georg Muus kniet am Rande eines sechs Meter hohen Haufens von Holzschnitzeln. Mit beiden Händen greift er hinein, Staub wirbelt auf, es riecht süß - nach Wald. Muus lässt das Holz durch seine Finger rieseln, er sieht dabei fast ein bisschen stolz aus. Plötzlich hält er inne und zeigt das Schnitzel in seiner Hand: Es ist ein Eisstäbchen.

Energie-Landwirt Georg Muus.

Landwirt des Jahres: Stockelsdorfer nominiert

Schleswig-Holstein Magazin -

In Berlin wird der Landwirt des Jahres 2017 gekürt. Unter den Nominierten ist auch Georg Muus aus Stockelsdorf. Er ist ein sogenannter Energie-Landwirt.

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Eine kleine Idee wird zum großen Betrieb

Seit fast zehn Jahren erzeugt der Landwirt aus Horsdorf im Kreis Ostholstein mit diesen Eisstielen Wärme. Was anfangs eine fixe Idee für die eigenen vier Wände war, ging dann schneller als gedacht: "Super - dürfen wir auch?", fragten die Nachbarn, als Muus mit dem Bau seiner Heizanlage begann. Mittlerweile versorgt der Landwirt 60 Haushalte mit Wärme, das sind 80 Prozent des Dorfes. In seiner Holzhackschnitzelheizung verbrennt er den Abfall eines Eisstiel-Produzenten aus dem Nachbarort Stockelsdorf - und verringert so zugleich die Luftverschmutzung: Rund 100.000 Liter Heizöl, sagt Muus, gingen sonst pro Jahr drauf.

"Energielandwirt" - was für ein Titel

Mit seiner nachhaltigen Wärmeproduktion war der 35-Jährige nun für den Ceres Award in der Kategorie "Energielandwirt" nominiert. Der Ceres Award wird vom Deutschen Landwirtschaftsverlag jährlich in elf Kategorien vergeben und ist der Preis schlechthin für Landwirte. Dass er mal zu den drei Finalisten gehören würde, damit hat er nicht gerechnet. "Was wir machen, ist zu normal", argwöhnte er, als seine kleine Schwester ihn ermunterte, sich zu bewerben. "Ach komm, einfach mal hinschicken und gucken", bestärkte ihn sein Vater. Also gut, dachte sich Muus und schickte im Frühjahr dieses Jahres seine Bewerbung ab.

Horsdorf: Eine nachhaltige Gemeinde

Das Handy von Muus klingelt. "Denk' daran, für die Fotos mit der Presse ein Hemd anzuziehen." Es ist eine Freundin aus der Nachbarschaft. Georg Muus sitzt an seinem Küchentisch, lacht und schielt rüber in den Nebenraum. Dort hängt sein blaues Hemd, frisch gebügelt über einem Stuhl. Und dort bleibt es dann auch.

"Der ganze Ort fiebert mit", erklärt er. Seit seiner Nominierung für den Ceres Award kommen ständig neue Presseanfragen. Doch trotz des Rummels bleibt Muus bescheiden: "Ohne die Unterstützung der Dorfgemeinde wäre die Wärmeproduktion nicht möglich." Ohne die Abnehmer aus der Nachbarschaft hätte Muus die beiden je sechs Kubikmeter großen Heizkessel auf seinem Hof nie bauen können, weil es sich schlicht nicht rentiert hätte.

Der Zusammenhalt wurde schon einmal gewürdigt: 2012 haben die Horsdorfer den Umweltpreis der Gemeinde Stockelsdorf für ihr gemeinschaftliches Engagement zum Betrieb von Muus' Holzhackschnitzelheizung erhalten.

Brennstoff für den Heizungsmacher

Zurück auf dem Hof nehmen seine beiden Mitarbeiter eine neue Lieferung Holz an. Auf Muus wartet noch ein langer Arbeitstag: "Von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends, das ist das Mindeste." Ihn treibt seine Leidenschaft für die Landwirtschaft an. Die scheint in der Familie zu liegen: Bereits sein Opa war Landwirt, sein Vater ist es und zwei seiner drei Schwestern wollen den Berufsweg ebenfalls einschlagen.

Bevor Georg Muus mit der Holzhackschnitzelheizung anfing und die TEM GbR, die Thermo Energie Muus, gründete, studierte er Agrarwissenschaft. "Das war eine tolle Zeit", schwärmt er und erinnert sich an seine Dreier-Wohngemeinschaft in Kiel. Mit seinen Kommilitonen ist er bis heute im engen Kontakt. Die meisten von ihnen haben nach dem Studium den Betrieb ihrer Eltern übernommen. Sie treffen sich einmal im Jahr und machen einen Kurzurlaub. Diesmal geht's ins "Tropical Islands" nach Brandenburg. "Einfach mal abschalten und neue Energie tanken." Auch der Macher einer Heizung braucht eben mal neuen Brennstoff.

Seine Vision: Völlig autark sein

Noch ist Muus aber nicht nach Abschalten zu Mute. Zu spannend sind die nächsten Projekte, die vor ihm liegen. Eines davon ist Solarstrom. Auf dem Dach hat er bereits eine große Anlage, mit der er seinen Betrieb versorgt. Am liebsten würde er schon bald das ganze Dorf mit der Sonnenenergie beliefern. "Nachhaltig und wirtschaftlich zugleich sein, das ist mein Ziel", erklärt er.

Mit seiner Holzhackschnitzelheizung hat Georg Muus dieses Ziel bereits erreicht. Den Ceres Award als "Bester Energielandwirt" bekam er bei der Preisverleihung der Finalisten in Berlin zwar nicht - aber die nächste Vision treibt ihn bereits an: ganz Horsdorf mit Holzhackschnitzelheizung und Solarstrom autark zu machen.

Landwirt produziert Energie aus Eisstielen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 11.10.2017 | 20:40 Uhr

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