Stand: 18.02.2016 17:42 Uhr

Land will Autozug nach Sylt selbst ausschreiben

Die Landesregierung macht für die Probleme auf der Bahnstrecke nach Sylt den freien Markt verantwortlich und sieht keine Möglichkeit, das kurzfristig zu ändern. Seit Dezember dürfen zwei Anbieter mit Autozügen von Niebüll nach Sylt fahren. Deshalb sind deutlich mehr Züge unterwegs - so viele, dass die teilweise eingleisige Strecke überlastet ist. Das führt zu Verspätungen und Zugausfällen. "Die Lebensader dieser Insel funktioniert zurzeit nicht, weil wir Wettbewerb im System haben", sagte der Staatssekretär aus dem Wirtschaftsministerium Frank Nägele (SPD), der am Donnerstag die Nordseeinsel Sylt besuchte. "Das ist ein Sonderfall. Es funktionierte gut, als es keine Wettbewerber gab."

Sylter Unternehmer: "Wir sind verzweifelt"

Der Staatssekretär traf sich in Westerland mit Pendlern, den Bürgermeistern aus der Region und mit Geschäftsleuten. "Die Nerven liegen blank", sagte Nägele nach den Gesprächen. Bis zu 4.000 Menschen pendeln täglich mit den Regionalzügen zur Arbeit auf die Insel. Die meisten sind auf die Züge angewiesen. "Nur jeder zweite Zug ist noch pünktlich", sagte Berufspendler Achim Bonnichsen. Er und 2.100 andere Nutzer haben sich bei Facebook einer Gruppe angeschlossen, in der sich Pendler austauschen können, wenn ein Zug mal wieder später kommt. "Wir sind verzweifelt", ergänzte Carsten Kerkamm vom Verband der Sylter Unternehmer (SU). "Das fängt an bei unregelmäßigen, verspäteten Fahrten mit dem Autozug und geht weiter mit ständigen Verspätungen bei den Regionalzügen."

Wer die längste Anfahrt hat, bekommt den Zuschlag

Kommentar
mit Video

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Lösen lässt sich das nach Ansicht von Nägele nur, indem Bundesgesetze oder Verordnungen angepasst werden. "In beiden Bereichen ist die Landesregierung aktiv", meinte Nägele. Allerdings hatte ein erster Brandbrief an die Bundesregierung keinen Erfolg. Die erhofften Änderungen blieben aus. Deshalb will das Land nun bis Ende März über den Bundesrat "entsprechende Korrekturen" anschieben. Langfristig sei das Ziel, Personenverkehr und Autozug aus einer Hand zu vergeben. Bisher schreibt das Land nur den Nahverkehr aus.

Für Autozüge gilt das Vergabeverfahren des Fernverkehrs: Wer die längste Anfahrt hat, bekommt den Zuschlag. "Wir können das selbst - und wir sind sicher, für die Insel ein gutes Autozug-Konzept sicherstellen zu können", sagte Nägele. Eine entsprechende Gesetzesänderung ist aber frühestens in acht bis neun Jahren möglich, wenn die Rahmenverträge der jetzigen Anbieter auslaufen. Deshalb - so hofft Nägele - verständigen sich die beiden Anbieter kurzfristig auf eine einvernehmliche Lösung. Bisher verliefen alle Gespräch aber erfolglos.

Leere "Geisterzüge" blockieren die Gleise

Satire
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17.02.2016 22:50 Uhr
extra 3

Um auf der begehrten Autozug-Verbindung zwischen Niebüll und Westerland auf Sylt einen Konkurrenten von den Gleisen fern zu halten, kam die Bahn auf eine "tolle" Idee. Video (03:09 min)

Seit Mitte Dezember fährt die Bahn mit ihrem Sylt Shuttle Plus auf die Insel - einer Kombination aus dem klassischen Autozug Sylt Shuttle und einem Personenzug. Der Dieseltriebwagen mit 140 Sitzplätzen startet bereits in Bredstedt und wird in Niebüll an den Autozug angehängt. Diese neue Verbindung ist langsamer und teurer als der Nahverkehr - und wird nach Angaben der Pendler kaum genutzt. "Das ist ein Geisterzug, der fast immer leer fährt", sagte Bonnichsen von der Pendler-Initiative. Hintergrund des neuen Angebots der Bahn ist die Rivalität zwischen der Deutschen Bahn und dem Unternehmen RDC Deutschland. Die Firma mit Wurzeln in den USA will künftig ebenso über den Hindenburgdamm Autozüge nach Sylt fahren lassen. Durch die zusätzlichen Züge der Bahn ist die Strecke so stark ausgelastet, dass der neue Mitbewerber RDC weniger Fahrten anbieten kann als geplant.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.02.2016 | 19:30 Uhr