Stand: 25.01.2016 18:56 Uhr

Kritik an Waffenkäufen - Polizei rät ab

Immer mehr Schleswig-Holsteiner wollen sich bewaffnen. In vielen Landkreisen und in den kreisfreien Städten steigen die Antragszahlen für den sogenannten Kleinen Waffenstein rasant an. Er berechtigt dazu, Schreckschusswaffen auch in der Öffentlichkeit bei sich zu führen. Die Landespolizei beobachtet die Entwicklung sehr kritisch. "Das Gewaltmonopol liegt beim Staat und nicht bei den Bürgern", sagte Pressesprecher Jürgen Börner dem Schleswig-Holstein Magazin: "Wer so etwas kauft und auch in der Öffentlichkeit führt, muss sich klar darüber sein, dass da ganz bestimmte Rechte gelten."

Polizei warnt vor Folgen

Die Landespolizei warnt vor unvorhersehbaren Folgen, die durch Waffen in der Hand von Laien entstehen können. "Wenn der Bürger so etwas einsetzt, dann kann ein ganz anderer Handlungsablauf entstehen", sagte Jürgen Börner vom Landespolizeiamt in Kiel. So könnte ein möglicher Angreifer die Waffe an sich nehmen und benutzen.

"Besorgniserregende Entwicklung"

Nach Angaben des Verbands der Büchsenmacher und Waffenhändler sind im vergangenen Jahr doppelt so viele Reizgase verkauft worden wie 2014. In Kiel war das Interesse an Abwehrwaffen 2015 schon im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Annette Wiese-Krukowska von der Stadt Kiel deutet daraus ein Unwohlgefühl in der Gesellschaft. "Man verlässt sich offensichtlich nicht allein darauf, dass die Polizei die Lage in den Griff bekommt. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung."

Anträge für den Kleinen Waffenschein / bereits genehmigte in Klammern
nur Januar 2016ganzes Jahr 2015
Flensburg2320
Kreis Nordfriesland65 (14)43
Kreis Pinneberg109 (26)111
Kreis Segeberg58127
Kreis Stormarn5068
Kiel50 (10)207

In Schleswig-Holstein wurden 2015 insgesamt 9.928 Kleine Waffenscheine genehmigt.

Alternative zu Schusswaffe und Co.

Wer dennoch etwas zur Abwehr haben möchte, muss nicht sofort zur Schreckschusswaffe greifen. Als Alternative empfiehlt der Verband der Büchsenmacher und Waffenhändler einerseits einen sogenannten Schrillalarm: ein kleines handliches Gerät, das einen übermäßig lauten Alarm auslöst, der an eine Polizeisirene erinnert. Dadurch können Passanten aufmerksam werden oder der Angreifer erschrickt und lässt ab. Andererseits sei die Taktische Taschenlampe auch ein Abwehrgerät, das sich bewährt hat. Ihre Besonderheit: Sie macht grelles schnell flackerndes Licht, das den Angreifer blenden kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 25.01.2016 | 19:30 Uhr