Stand: 16.02.2017 18:32 Uhr

Kriminalstatistik mit Licht und Schatten

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Zahl der Straftaten in Schleswig-Holstein ist zum dritten Mal in Folge gestiegen - um rund zwei Prozent. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr rund 207.000 Straftaten. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die Innenminister Stefan Studt (SPD) am Donnerstag in Kiel vorgestellt hat. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Aufklärungsquote stieg um 2,4 Prozent, und die Zahl der Wohnungseinbrüche ging deutlich zurück. Die Opposition nutzte den Anlass zu Kritik an der Arbeit der Landesregierung.

Mehr Täter aus dem Ausland

Vor allem bei den Verstößen gegen das Asyl-, Aufenthalts- und Freizügigkeitsgesetz gab es Zuwachs. Dieser Anstieg ist durch die Flüchtlinge, die 2016 nach Schleswig-Holstein kamen, zu erklären. In diesem Bereich gab es rund ein Viertel mehr Straftaten. Ohne diese Straftaten läge der Anstieg insgesamt nur bei 0,3 Prozent.

Ebenfalls angestiegen ist die Zahl der Straftaten, die Ausländer im vergangenen Jahr begingen - um 2,6 Prozent. Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht wurden hier nicht berücksichtigt. Insgesamt wurde rund jede vierte Straftat von einem nichtdeutschen Tatverdächtigen ausgeübt.

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Deutlich mehr Cybercrime, weniger Einbrüche

Insgesamt nahm vor allem die Zahl der Gewalttaten zu. So gab es 13 Prozent mehr Fälle leichter und schwerer Körperverletzung. Bei sexuellen Gewalttaten verzeichnet die Statistik einen Anstieg um 9,3 Prozent. In 441 Fällen wurden Polizisten verletzt. Den höchsten Anstieg gab es insgesamt jedoch bei Fällen von Computerkriminalität - hier waren es 60 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ging hingegen zurück, um 8,8 Prozent auf 7.711 Fälle. Studt führte dies auf verstärkte Ermittlungsarbeit und mehr Präsenz der Polizei zurück. Zugleich stieg die Zahl der aufgeklärten Fälle. Den stärksten Rückgang gab es bei Fällen vorsätzlicher Brandstiftung - von 646 auf 512.

Studt: "Unvollständiges Bild"

Studt wies darauf hin, dass viele Taten nicht angezeigt oder über das Internet oder telefonisch aus dem Ausland verübt würden, allerdings in Schleswig-Holstein Konsequenzen haben. "Die derzeitigen Erfassungsgrundsätze der Statistik erlauben nur ein unvollständiges Bild der Kriminalität, die unsere Bevölkerung tatsächlich belastet."

Monika Heinold (Grüne) bezeichnete die aktuelle Kriminalstatistik als überzeugenden Beleg für die solide Sicherheitspolitik der Küstenkoalition. "Wir haben konsequent gehandelt und mit den richtigen Maßnahmen einen wirkungsvollen Weg eingeschlagen", so Heinold.

"Einbrecher muss dämlich sein, um erwischt zu werden"

Die Opposition im Landtag kritisierte die Aufklärungsquote als zu gering. Hans-Jörn Arp (CDU) sagte, die Einbruchsquote in Schleswig-Holstein sei über dem Bundesdurchschnitt und die Aufklärungsquote sei weit unter dem Bundesdurchschnitt. "Ein Einbrecher muss schon ziemlich dämlich sein, um hier in Schleswig-Holstein erwischt zu werden", so Arp. Der polizeipolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Axel Bernstein, bemängelte, der Innenminister habe lange von Problemen mit der Einbruchskriminalität nichts wissen wollen. "Wir könnten schon viel weiter sein. Der Wohnungseinbruch muss ganzjährig und nicht saisonal bekämpft werden", sagte Bernstein.

Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Wolfgang Kubicki, sagte, der Anstieg der Gewalt- und Jugendkriminalität sei ein eindeutiger Hinweis darauf, dass der Rechtsstaat Schaden nehme, wenn Polizei und Justiz chronisch überlastet und unterfinanziert seien. Er forderte spezialisierte Ermittlungseinheiten, eine intensivere Zusammenarbeit der norddeutschen Bundesländer und einen Stopp des Rückzugs aus der Fläche.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 16.02.2017 | 18:00 Uhr

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