Stand: 15.01.2016 11:27 Uhr

Knochenjob: So werden die Wale zerlegt

Es ist ein erbärmlicher Geruch, der einem je nach Windrichtung am Hafen Holmer Siel auf Nordstrand (Kreis Nordfriesland) in die Nase steigt. Ein Geruch, so beschreiben es die NDR Reporter, bei dem einem übel wird. Veterinäre der Tierärztlichen Hochschule Hannover sind angereist und zerlegen die ersten beiden vor Helgoland geborgenen Pottwale.

Speckschicht lässt die Gase nicht raus

Das ist für die Tierärzte, Biologen und Helfer vor Ort nicht unproblematisch, denn meistens hat der Verwesungsprozess eingesetzt und sich Fäulnisgase gebildet. Die Wale drohen zu explodieren. Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover weiß, was vor dem ersten Schnitt zu tun ist. Sobald die Tiere an Land liegen, untersuchen die Experten sie erst auf äußerliche Veränderungen. "Wir schauen, ob da irgendwelche Verletzungen sind", erklärt Siebert. Dann müssen die Fachleute klären, ob Explosionsgefahr besteht. "Das ist bei allen größeren Walen immer ein Problem, aber insbesondere bei den Pottwalen. Die Speckschicht isoliert die Tiere gut und die Fäulnisgase können nicht entweichen, weil ihre Fettschicht stark mit Bindegewebe durchzogen ist." In diesem Fall müssen die Experten sogenannte Entlastungsschnitte setzen.

Organe und Magendarmtrakt genau untersuchen

Die Entgasung wird über den Rücken der Tiere gemacht. "Die sensibelste Stelle, wo die Wale auch am ehesten aufreißen, ist genau über der Wirbelsäule - da, wo die Flosse zu sehen ist", erklärt Detlef Hansen von der Nationalparkverwaltung. Dort wird ein Rohr zwischen die Rippen gedrückt, um die Gase entweichen zu lassen. Danach fängt für Ursula Siebert und ihre Kollegen die eigentliche Arbeit an. "Nach und nach wird die Fettschicht abgenommen und die Muskulatur wegbewegt, so dass wir dann nach einer Probenentnahme von Haut, Fett und Muskulatur auch an die inneren Organe können", erklärt Siebert. Die Experten sehen sich die Organe und den Magendarmtrakt genau an, um zu überprüfen, ob dort noch Nahrungsreste oder Fremdkörper erhalten sind, die den Gesundheitszustand des Tieres beeinträchtigt hatten.

Abschleppen, bergen, untersuchen

"Wir sind ein bisschen aus dem Training"

Gerd Meurs vom Multimar Wattforum ist ebenfalls Teil des Teams, das sich um die Walkadaver auf Nordstrand kümmert. Wie lange es dauert, die toten Tiere auseinanderzunehmen, kann der Experte nicht vorhersehen. "Es gab mal Zeiten, da haben wir vier Stunden bei deutlich größeren gebraucht, aber wir sind ein bisschen aus dem Training."

Übrig bleiben am Schluss Skelette

Für Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung Schleswig-Holstein, verlaufen die Arbeiten nach Plan. Er ist zufrieden: "Jetzt werden wissenschaftliche Parameter aufgenommen. Organe werden untersucht. Parallel sind einige Leute schon dabei, die Speckschicht zu zerschneiden." Das Team aus Hannover und Büsum besteht aus knapp 20 Mitarbeitern. Sie zerschneiden das Fleisch inzwischen in Scheiben und legen es in die bereitgestellten Container. Übrig bleiben nur Skelette. Sie kommen in Museen. Eines ist bereits der Nordseeinsel Amrum versprochen.

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