Stand: 13.03.2017 14:49 Uhr

Knapp fünf Jahre Haft für Coop-Erpresser

Wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung hat das Landgericht in Kiel am Montag den Erpresser der Handelskette Coop zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Zuvor hatte der 38-Jährige vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Mit seinem Urteil blieb das Landgericht knapp unter der Forderung der Anklagebehörde, die auf vier Jahre und elf Monate plädiert hatte. Die Verteidigung dagegen wertete die Tat als schwere Nötigung und plädierte auf zwei Jahre und neun Monate Haft. Der Angeklagte hatte die Kieler Öffentlichkeit im September 2016 mit vergifteten Marzipanherzen und Bombendrohungen in Unruhe versetzt. Das Besondere an diesem Fall sei, dass die Gesundheit von Schulkindern als Druckmittel eingesetzt wurde, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Jacobsen. "Die halbe Stadt war beunruhigt."

Erklärung des Angeklagten

Der 38-Jährige ließ zu Beginn der Verhandlung über seinen Anwalt erklären, es tue ihm leid, dass er Eltern und Kinder verunsichert habe. Der Mann hatte im vergangenen September zwei Schachteln vergiftete Marzipanherzen an einer Schule ausgelegt und per E-Mail Bombendrohungen gegen drei weitere Schulen verschickt. Dadurch wollte er laut Anklage von der Handelskette Coop drei Millionen Euro in der digitalen Währung Bitcoins erpressen. Bis zu seiner Festnahme soll der mutmaßliche Täter etwa 20 Droh-Mails verschickt haben. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte den Mann am 19. September in seiner Wohnung festgenommen. Der Beschuldigte sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Marzipanherzen mit Insektenmittel präpariert

Die erste Erpresser-E-Mail mit der Millionen-Forderung war am 8. September 2016 bei Coop in Kiel eingegangen. Fünf Tage später erhielt die Kieler Reventlou-Schule eine E-Mail mit dem Hinweis, auf dem Schulhof seien vergiftete Lebensmittel ausgelegt worden. Später wurde dort eine Schachtel mit Marzipanherzen entdeckt. Sie waren mit einem Insektenmittel versetzt, wie Untersuchungen später ergaben. Der Stoff wirkt gegen Insekten, soll für Menschen aber nicht tödlich sein. Am 16. September folgten Bombendrohungen gegen Schulen. Deshalb räumten Einsatzkräfte der Polizei die Muhliusschule, die Käthe-Kollwitz-Schule und die Hebbelschule.

Kauf des Marzipans zurückverfolgt

Über den Verkaufsweg der Marzipanherzen konnten die Ermittler die Spur zu einem 38 Jahre alten Mann zurückverfolgen. Sie nahmen ihn fest, nachdem er eine weitere Dose mit vergifteten Süßigkeiten an einer Bushaltestelle abgelegt hatte. Eine psychiatrische Sachverständige untersuchte den mutmaßlichen Täter. Eine Unterbringung in der Psychiatrie wurde laut Staatsanwaltschaft aber verworfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.03.2017 | 15:00 Uhr

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