Stand: 28.08.2017 12:03 Uhr

Kita-Studie: Immer noch zu wenig Erzieher

Ab einem Alter von drei Jahren besucht fast jedes Kind im Land eine Kita, davor ist es nur jedes dritte.

Die Qualität der Kitas und Krippen in Schleswig-Holstein hat sich etwas verbessert. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zum frühkindlichen Bildungssystem. Eine vollzeitbeschäftige Fachkraft in Schleswig-Holstein kümmert sich aktuell - rein rechnerisch - um 3,8 Krippenkinder bis sechs Jahren (2012 4,0). In Kindergärten kommen der Studie zufolge 8,7 Kinder auf eine Erzieherin, in der Erhebung vier Jahre zuvor waren es noch 9,1 gewesen. Am besten sieht es im Norden in den Flensburger Kindergärten aus. Hier liegt der Personalschlüssel bei 6,8. In Kiel betreut ein Erzieher dagegen im Schnitt fast 10 Kinder ab 3 Jahren. Insgesamt liegt der Betreuungsschlüssel im Norden etwas unter dem westdeutschen Mittel.

Stiftung fordert 1.900 Mitarbeiter

Die meisten Menschen, die in Schleswig-Holstein pädagogisch arbeiten, haben die Realschule besucht.

Insgesamt sind etwa 18.000 Menschen in Schleswig-Holstein pädagogisch tätig - so viele wie nie zuvor. Allerdings kritisiert die Bertelsmann-Stiftung, dass - für eine pädagogisch angemessene Betreuung, wie die Stiftung sie definiert - 1.900 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden müssten. Dies würde zusätzlich 85 Millionen Euro kosten. Dann könnte der von der Stiftung empfohlene Schlüssel von 1 zu 3,0 in der Gruppe unter drei und 1 zu 7,5 in der Gruppe von drei bis sechs eingehalten werden. Allerdings müssten für neue Stellen auch attraktivere Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

Jedes 100. Kind unter eins in Kita

Insgesamt gehen 93 Prozent der Kinder zwischen drei und sechs Jahren in eine Kita. Die wenigsten Kinder in dieser Altersgruppe besuchen in Neumünster eine Kita, hier sind es eine 85 Prozent, in Flensburg 97 Prozent. Bei den unter Dreijährigen besuchen insgesamt 31 Prozent der Kinder eine Betreuungseinrichtung (2006: 8 Prozent), hier ist ebenfalls Flensburg Spitzenreiter mit 36 Prozent, im Kreis Dithmarschen sind es 19 Prozent. Laut Stiftung besucht jedes 100. Kind unter einem Jahr eine Kita, mit über einem Jahr ist es dann jedes vierte und ab dem zweiten Lebensjahr fast jedes zweite. Zudem ist zu beobachten, dass Kinder ohne Migrationshintergrund häufiger in eine Kindertagesstätte gehen als Kinder mit Migrationshintergrund.

Kinder spielen auf einem Spielplatz

Immer noch zu wenig Kita-Erzieher

Schleswig-Holstein Magazin -

In Schleswig-Holstein kommen immer noch zu wenige Erzieher auf ein Kita-Kind - das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben. 1.900 zusätzliche Mitarbeiter seien nötig.

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Sozialminister sieht noch viel zu tun

Laut Koalitionsvertrag sollen für eine bessere Kita-Betreuung bis zum Jahr 2022 jährlich bis zu 170 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Sozialminister Heiner Garg (FDP) führen diese Investitionen auch dazu, dass der Erzieher-Beruf attraktiver wird. "Zweitens wissen wir auch, dass selbstverständlich die Bezahlung eine Rolle dabei spielen wird," sagt Garg. "Und drittens wird auch die Frage, wie viele Kita-Kräfte werden in Zukunft ausgebildet, wie viele junge Menschen begeistern wir für diesen Beruf, dabei eine Rolle spielen, ob es uns gelingt, den notwendigen Fachkräftebedarf zu decken." Garg kommt zu dem Ergebnis, dass noch viel zu tun ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.08.2017 | 12:00 Uhr

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