Stand: 15.03.2016 20:50 Uhr

Keine Annäherung zwischen Kitern und Habeck

Im Streit um geplante Kite-Verbote in der Ostsee haben sich Wassersportler, Naturschutzverbände und Umweltministerium am Dienstag bei einem Treffen in Heiligenhafen nicht annähern können. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) will an verschiedenen Stellen sogenannte "Befahrensverbote" durchsetzen. Hintergrund ist ein Vorstoß der Landesregierung, das Kitesurfen im Nationalpark vom Bund beschränken zu lassen, da es Vögel stören könne. Die Umweltverbände Nabu, BUND und WWF fordern ebenfalls Beschränkungen beziehungsweise weitreichende Verbote.

Kitesurfen - bisherige Regelungen und Probleme

Neun Gebiete sollen tabu sein

Das Naturschutzgebiet Graswarder in Heiligenhafen soll - wenn es nach Nabu und Umweltministerium geht - in Zukunft nicht nur für Kitesurfer, sondern für alle Wassersportler tabu sein. Ebenso betroffen sind zwei Gebiete vor der Insel Fehmarn und sechs weitere an der Ostseeküste. Außerdem soll in einigen Vogelschutzgebieten nur noch außerhalb der Brutzeiten gekitet werden. Ob dafür allerdings ein offizielles Verbot für einzelne Gebiete notwendig ist, bleibt umstritten. Vertreter von Wassersportverbänden forderten Habeck dazu auf, seinen Verbotsantrag in Berlin zurückzuziehen. Sie wollen sich freiwillig von Naturschutzgebieten fernhalten.

Habeck: Reichen freiwillige Vereinbarungen aus?

Auf einen Kompromiss konnten sich beide Seiten am Dienstag aber nicht einigen. Habeck hält an dem Antrag fest. "Es sind wirklich ganz kleine Räume. Und in der Wasserlinie vor den Naturschutzgebieten, da wo Wasservögel rasten, fressen und sich vermehren sollen, da soll nicht gekitet werden, nicht gesurft werden, nicht gesegelt werden, kein Motorboot durchfahren. Wir reden also von mehreren hundert Metern raus vom Strand", sagte der Minister NDR 1 Welle Nord. Das Umweltministerium und die Naturschützer fürchten, dass freiwillige Vereinbarungen nicht ausreichen, um die Brutgebiete der Seevögel zu schützen.

Große Strände an der Nordsee bleiben Kite-Reviere

Bereits Anfang Februar hatten sich Umweltschützer und Kite-Sportler an der Nordseeküste bei einem Treffen in Husum grundsätzlich geeinigt. Der Kompromiss für die Nordseeküste sieht vor, "naturschutzfachlich geeignete Kite-Gebiete" im Wattenmeer einzurichten. Nach Angaben der Landesregierung sollen etwa die großen Strände vor den Inseln oder in St. Peter-Ording in jedem Fall Kite-Reviere bleiben. "Auch weil ich selber surfe, weiß ich, dass Surfen und Natur zusammen gehören", erklärte der Minister. Das Problem sei, beides zusammen zu organisieren. Debattiert wurde laut Habeck noch die Frage, auf welchem Weg Kite- und Naturgebiete formell umgesetzt werden sollen: "Wir wollen beides gleichgewichtig ermöglichen. Kitegebiete sollen ihre eigene Berechtigung haben."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.03.2016 | 22:00 Uhr