Stand: 12.02.2016 20:59 Uhr

Kämpfer gegen Korruption so gefragt wie nie

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Ist ehrenamtlich Ansprechpartner für Informanten: Anti-Korruptionsbeauftragter Hans-Werner Rogge.

Wenn sich Informanten beim ehrenamtlichen Anti-Korruptionsbeauftragten melden, geht es oft um Fälle aus dem Bau- oder Beschaffungsbereich oder Behörden. 74 Mal war das im vergangenen Jahr der Fall, wie Hans-Werner Rogge am Freitag mitgeteilt hat. Bei 39 Fällen hatte Rogge den Verdacht, dass es sich um Korruptionsstraftaten handeln könnte, 24 gab er an die zuständige Staatsanwaltschaft ab. Im Jahr 2014 waren es 23 Fälle bei 58 Hinweisen.

Großes Dunkelfeld

Rogge, bis 2013 Leiter des Landeskriminalamtes und inzwischen im Ruhestand, sagte, das Ehrenamt des Anti-Korruptionsbeauftragten sei wichtig und nötig, um dieses Dunkelfeld zumindest ein bisschen aufzuhellen. Kriminologen gingen davon aus, dass auf einen aufgedeckten Fall von Korruption mindestens zehn nicht aufgeklärte Fälle kämen.

Anonyme Hinweise sind möglich

Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, das einen Anti-Korruptionsbeauftragten in ehrenamtlicher Funktion hat. In anderen Ländern seien Anwaltskanzleien mit dieser Aufgabe beauftragt, erläuterte Rogge, der seine Bilanz des zweiten Halbjahres 2015 vorstellte. Seit August 2014 ist Rogge Beauftragter. Als Vorteil nannte er, Informanten könnten sich bei ihm persönlich melden oder auch anonym Hinweise geben. "Manche Informanten würden sich niemals an eine Staatsanwaltschaft wenden." Denn einige seien Kollegen oder Nachbarn derer, gegen die sie Vorwürfe erheben.

"Ich bin Einzelkämpfer"

"Der größte Teil von Hinweisen erreicht mich von Bürgern", sagte Rogge. Er habe keinen eigenen Stab, sondern befasse sich selber mit jedem Hinweis, um dann die Spreu vom Weizen zu trennen und Denunziationen herauszufiltern: "Ich bin Einzelkämpfer."

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.02.2016 | 19:30 Uhr