Stand: 02.08.2017 16:04 Uhr

Ironman mit Beinprothese - "Der wahre Ostseeman"

von Mirja Pape

Auf einem Steg am Strand von Westerholz bei Glücksburg liegen eine kurze Hose und eine Beinprothese. Das sieht eine besorgte Frau und geht zum DLRG-Haus, sie fragt: "Habt ihr den Mann mit der Prothese im Blick, der kommt gar nicht wieder?" Ein Rettungsschwimmer erwidert: "Den können wir nicht im Blick haben, er schwimmt bis nach Langballigau - trainiert hier jeden Tag für den Ostseeman-Triathlon." Die Rede ist von Sven-Ole Nissen aus Freienwillen im Kreis Schleswig-Flensburg. Der 51 Jahre alte Aushilfslehrer, Taxiunternehmer und Gemeindevertreter will am kommenden Wochenende zum fünften Mal in der Handicap-Disziplin des Ostseemans starten, auf der Ironman-Distanz. Das heißt für Nissen: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rennradradfahren und 42 Kilometer Handradfahren. "Damit bin ich schneller als die Läufer", sagt er, "aber das gleicht sich beim Umziehen und auf der Rennradstrecke wieder aus - da habe ich Nachteile."

"Die besten Gedanken kommen beim Sport"

Nissen verlor durch einen Unfall vor 24 Jahren seinen rechten Unterschenkel. Es war ein Zusammenstoß mit einem Zug. Als er nach fünf Tagen im künstlichen Koma aufwachte, sagt Nissen, habe er sich "echt gefreut, dass er praktisch mit einem blauen Auge davon gekommen ist". Danach war mit dem Fußballspielen für ihn Schluss und so landete er beim Triathlon. Der Wettkampf bringe ihm Spaß, erklärt er, aber das Training noch viel mehr. "Beim Schwimmen und Radfahren kommen mir die besten Gedanken. Wahrscheinlich wird das Gehirn dann mal richtig durchblutet."

Vorbild für Trainingspartner

Für den Ostseeman in Glücksburg trainiert Nissen seit April etwa 20 Stunden in der Woche. Bei jedem Wetter. Mit seinem Ehrgeiz und seiner Disziplin ist er für andere Sportler ein Vorbild, sich aufzuraffen. Sein Trainingspartner Martin Schacht, der nicht körperbehindert ist, sagt, man könne mit keinem Besseren trainieren, "eben weil er diese Behinderung hat und trotzdem so eine starke Leistung bringt." Jetzt will sich Sven-Ole Nissen beim Ostseeman noch einmal steigern. Die besten Athleten beim Ostseeman kommen nach weniger als neun Stunden ins Ziel, seine eigene Bestzeit liegt zurzeit bei zehn Stunden 38 Minuten. Nissen peilt an die Zehn-Stunden-Marke zu knacken, aber ohne sich selbst allzu sehr unter Druck zu setzen. "Wenn nicht diesmal, dann eben in den nächsten Jahren."

Weitere Informationen

Team-Betreuer: Ein Leben am Straßenrand

Beim Ultra-Triple-Triathlon in Lensahn stehen die Athleten im Mittelpunkt. Aber ohne die vielen Helfer im Hintergrund würde wohl keiner von ihnen beim Schwimmen, Radfahren und Laufen durchhalten. (28.07.2017) mehr

Triathlon: Australien triumphiert in Hamburg

Australien hat sich in Hamburg den Weltmeistertitel in der Mixed-Staffel gesichert. Deutschland kam auf Rang zehn. Am Sonnabend hatte Laura Lindemann als Dritte im Sprint überzeugt. (17.07.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 02.08.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:58

Fischer befürchten Aalfangverbot durch EU

12.12.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:35

Gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

11.12.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:45

Habeck will Bundesvorsitzender werden

11.12.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin