Stand: 26.02.2016 16:21 Uhr

Interview: Wie Experten nach dem Absturz ermitteln

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Als Experte für Flugunfälle geht Axel Rokohl davon aus, dass erste Untersuchungsergebnisse frühestens in zwei Monaten vorliegen werden.

Nach dem Absturz eines Hubschraubers der Bundespolizei bei Bad Bramstedt im Kreis Segeberg haben Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig ihre Arbeit an der Unglücksstelle aufgenommen. BFU-Vertreter Axel Rokohl sprach an der Absturzstelle über den Stand der Ermittlungen.

Herr Rokohl, welche Arbeiten laufen an der Absturzstelle?

Axel Rokohl: Wir machen erstmal eine Unfallstellen-Dokumentation, vermessen Bodenspuren und führen eine technische Untersuchung am Wrack durch.

Ist eine Blackbox gefunden worden?

Rokohl: Dieser Hubschrauber ist ausgestattet mit einem Cockpit-Voice-Rekorder, vom Prinzip her eine Blackbox. Darin werden Cockpit-Gespräche und auch technische Parameter aufgezeichnet.

Mit welchen Untersuchungen starten Sie?

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Rokohl: Der Hubschrauber kommt in eine Halle in Bad Bramstedt. Dort erfolgt eine technische Untersuchung der Triebwerke des Hauptgetriebes, des Antriebsstrangs, der Steuerung und der ganzen Öl- und Kraftstoffversorgung.

Was wissen Sie bis jetzt?

Rokohl: Noch sammeln wir Fakten. Vonseiten der BFU erstellen wir einen Zwischenbericht, der dann auch auf unserer Homepage veröffentlicht wird. Das wird in circa zwei bis drei Monaten sein. Ziel ist es, die gesamte Untersuchung innerhalb von zwölf Monaten abzuschließen. Das sollten wir normalerweise auch schaffen.

Ist schon bekannt, aus welcher Höhe der Hubschrauber abstürzte?

Rokohl: Wir wissen von Zeugen, dass die Höhe irgendwo zwischen 300 und 500 Fuß gelegen haben muss. Das sind zwischen 100 und 130 Meter.

War die Besatzung auf dem Hin- oder Rückweg während des Ausbildungsfluges?

Rokohl: Der Nachtflug, das Ziel des Fluges, war eigentlich abgeschlossen. Das war sozusagen die letzte Runde auf dem Weg zurück zur Landung.

Wie waren die Wetterverhältnisse zum Unglückszeitpunkt, gab es gefrierenden Regen?

Rokohl: Grundsätzlich war das Wetter gestern Nacht geeignet. Es zogen zwar Schauer durch. Aber laut Zeugen war hier kein Schneeschauer oder dergleichen.

Wichtig wird für Sie wahrscheinlich auch die Aussage des Piloten, der ja überlebt hat.

Rokohl: Ja, aber da ist momentan Warten angesagt. Sein gesundheitlicher Zustand muss sich erst einmal verbessern. Das hat Zeit.

Was versprechen Sie sich von seinen Aussagen?

Rokohl: Eine Klärung des Ereignisses, was geschehen ist an Bord.

Sind im Zusammenhang mit dem Hubschraubertyp EC 135 bereits Unfälle bekannt?

Rokohl: Es gibt etwa 1.100 dieser Hubschrauber. Der Typ wird seit 15, 20 Jahren produziert und verkauft. Es gibt auch andere Unfälle mit diesem Hubschrauber. Aber ob die nun damit was zu tun haben? Da ist es für eine Antwort noch zu früh.

Gibt es für Sie schon eine Arbeitshypothese, also eine mögliche Unfallursache?

Rokohl: Nein.

Axel Rokohl antwortete in einem Gespräch an der Unfallstelle auf die Fragen von Reportern mehrerer Medien.

Hubschrauber bei Bad Bramstedt abgestürzt

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.02.2016 | 17:00 Uhr