Stand: 09.02.2016 17:32 Uhr

Immer mehr Salafisten in Schleswig-Holstein

Die Zahl der radikalen Muslime in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. Nach eigenen Angaben zählten die Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr rund 300 Menschen in Schleswig-Holstein zu den sogenannten Salafisten, 70 mehr als im Jahr 2014. Das war eine der zentralen Botschaften beim zweiten Landesfachtag gegen religiös motivierten Extremismus am Dienstag in Kiel. Bei der Veranstaltung wollten Verfassungsschutz und Innenministerium vor allem Lehrer für das Thema Salafismus sensibilisieren. Denn trotz Präventionsprojekten fühlen sich nach Ansicht der Experten zunehmend Jugendliche von der salafistischen Szene angesprochen.

  • Was wollen Islamisten?

    Als Islamismus bezeichnet das Bundesamt für Verfassungsschutz eine religiös motivierte Form des politischen Extremismus. Islamisten sehen in den Geboten des Islam Handlungsanweisungen für eine islamistische Staats- und Gesellschaftsordnung. Sie sagen, alle Staatsgewalt könne ausschließlich von Gott (Allah) ausgehen. Damit richten sich islamistische Bestrebungen gegen die Wertvorstellungen des deutschen Grundgesetzes.

  • Was wollen Salafisten?

    Der Salafismus ist eine ultrakonservative Strömung des Islam, der eine Rückkehr zu den Wurzeln des Islams will. Diese Ideologie ist vom Wahhabismus geprägt und geht auf Muhammad Ibn Abdalwahhab (1703-1792) zurück. Ziel von Salafisten ist es, Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach einem salafistischen Regelwerk umzugestalten. In letzter Konsequenz soll ein islamischer Gottesstaat entstehen. Die demokratische Grundordnung in Deutschland lehnen Salafisten somit ab.

  • Was wollen Dschihadisten?

    Die islamische Tradition kennt den "kleinen Dschihad" und den "großen Dschihad". Der "große Dschihad" ist friedlich. Er bezeichnet das individuelle Bemühen um das richtige religiöse Verhalten gegenüber Gott und den Mitmenschen. Der "kleine Dschihad" ist kriegerisch. Er beschreibt den gewalttätigen Kampf zur Verteidigung und Ausweitung des Herrschaftsgebiets des Islam. Dschihadistische Islamisten berufen sich ausschließlich auf den "kleinen Dschihad". Gewalttaten werden für sie durch den Islam gerechtfertigt.

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IS-Kämpfer sind häufig Salafisten

Diese ultrakonservative Strömung des Islam will eine Rückkehr zu den Wurzeln des Islams. "Der Salafismus hat ein sehr einfaches, zweigeteiltes Weltbild. Man will einen islamischen Gottesstaat einrichten auf der Basis der salafistischen Interpretation der Scharia", sagte Frank Kleinert vom Verfassungsschutz. Nicht jede salafistische Strömung setze dabei auf Gewalt. Doch meistens kommen die Menschen, die sich dem IS oder anderen Terrorgruppen in Syrien und dem Irak anschließen, aus dem Kreis der Salafisten. Seit Beginn des Bürgerkrieges sind bereits 26 mutmaßliche Islamisten aus Schleswig-Holstein in die Kampfgebiete im Nahen Osten ausgereist. Sieben davon sind dort gestorben.

Koran in der Fußgängerzone

Trotz der Lebensgefahr und trotz Präventionsprojekten sei die Szene vor allem für junge Männer und Jugendliche weiter interessant, sagte Thomas-Michael Kassun vom Rat für Kriminalitätsverhütung. "Die Stärke, die Macht, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl - das funktioniert nach wie vor. Es ist auch nicht erkennbar, dass das morgen aufhören wird", sagte Kassun. Vor allem in den kreisfreien Städten am Hamburger Rand um Pinneberg, in Kiel, Neumünster und Lübeck seien extreme Muslime aktiv. In Kontakt kommen junge Männer mit den Radikalen zum Beispiel in Fußgängerzonen. So verteilen radikale Muslime sonnabends in der Lübecker Innenstadt den Koran.

Weitere Informationen

Neues Projekt gegen religiösen Extremismus

Mit einem neuen Projekt will die schleswig-holsteinische Landesregierung vor fanatischen Religionsanhängern warnen. Laut Innenministerium gibt es im Land allein 230 aktive Salafisten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.02.2016 | 17:00 Uhr