Stand: 08.01.2016 10:25 Uhr

Hilfe aus Schleswig-Holstein für COPD-Kranke

Sie zählt weltweit zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass sie schon bald Todesursache Nummer vier sein wird: die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD. Laut WHO sterben etwa drei Millionen Menschen weltweit jedes Jahr daran. Jetzt kommt aus Schleswig-Holstein eine Erfindung, die die Therapie von COPD-Patienten revolutionieren könnte.

Dagmar Martin hat seit mehr als 20 Jahren die COPD

Dagmar Martin hat diese Krankheit. Schon nach wenigen Schritten hatte sie keine Luft mehr zum Atmen. Zu Fuß in den ersten Stock gehen – noch vor drei Monaten wäre das undenkbar gewesen. Seit sie das neue Gerät aus Borstel benutzt, ist sie nach dem Treppensteigen nicht mal erschöpft. "Also ich merke, dass mein Puls vielleicht ein bisschen höher ist, aber ich muss keine Lippenbremse einsetzen, ich muss nicht pusten, gar nichts. Das ist ganz hervorragend für mich", sagt Dagmar Martin. Seit mehr als 20 Jahren ist sie lungenkrank. Die Leistungsfähigkeit ihrer Lunge lässt stetig nach. Sie bekommt beim Einatmen nicht genug frische Luft und kann die verbrauchte Luft nicht richtig ausatmen. Deshalb hat sie zu viel Kohlendioxid im Blut. Ihre Atemluft muss mit Sauerstoff angereichert werden. Nachts ist sie an ein Beatmungsgerät angeschlossen - seit fünf Jahren.

Verändertes Beatmungsgerät soll helfen

Service-Informationen

Dr. Stephan Rüller ist per Mail erreichbar unter: srueller@fz-borstel.de und steht für Rückfragen zur Verfügung. Bei dem Gerät handelt es sich um den neuen "Vigaro" Druckatmungsgenerator der Firma "FLO Medizintechnik" aus Melle in Niedersachsen. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss im Einzelfall erfragt werden.

Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung sind die Bronchien ständig entzündet. Die Lungenbläschen am Ende der Atemwege sind zerstört. Durch die Beatmung in der Nacht wird immer mehr Luft in sie hineingepresst. Und genau da setzt Dr. Stephan Rüller, Schlafmediziner am Forschungszentrum Borstel im Kreis Segeberg, an. "Es ist ein so hoher Druck in der Lunge, dass die Ausatemwege zugedrückt werden. Und obwohl noch Luft drin ist, kann sie nicht ausgeatmet werden", sagt Rüller.

Einfache Idee - große Wirkung

Die Lösung war so einfach wie genial: Rüller manipulierte das Beatmungsgerät so, dass die Ausatmung erschwert wurde. Dagmar Martin wird jetzt mit einem viel geringeren Druck beatmet. Dafür muss sie gegen einen sich verändernden Widerstand ausatmen - das Gerät simuliert die sogenannte Lippenbremse. "Man kräuselt die Lippen, kann das selbst regulieren und atmet dann gegen diesen Gegendruck aus. Die Erleichterung kommt dadurch, dass durch den Gegendruck die Atemwege noch ein bisschen weiter geöffnet werden - und die Ausatemphase viel länger ist", erklärt Rüller. So kann die in den Lungenbläschen gefangene Luft entweichen.

Rüllers Erfindung wurde schon patentiert

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Dr. Stephan Rüller, Schlafmediziner am Forschungszentrum Borstel, hatte die einfache aber geniale Idee.

Das Forschungszentrum Borstel hat Stephan Rüllers Idee patentieren lassen – seit Jahresbeginn ist das neue Beatmungsgerät offiziell als Medizinprodukt zugelassen. Dagmar Martins Krankenkasse hatte wegen des beeindruckenden Therapieerfolgs schon im Vorfeld die Kosten übernommen. Und schon nach wenigen Tagen mit dem neuen Gerät zeigte sich bei Dagmar Martin ein großer Erfolg: "Nach der ersten Nacht hab ich gedacht 'boah ist das schön'." Die zweite Nacht an dem neuen Gerät war für sie noch viel besser. "Ich hatte morgens zwei Konfektionsgrößen weniger am Bauch. Und am Montag fragte Doktor Rüller mich, wie das Wochenende war. Ich sagte 'wunderbar'. Ich war shoppen bis die Karte brennt."

Für Dagmar Martin begann ein ganz neues Leben. "Ich bin unendlich dankbar. Ich wünsche, dass es ganz vielen Menschen so gut geht, wie es mir jetzt geht – es ist unbeschreiblich." Dagmar Martin ist die zweite Patientin, die das neue Beatmungsgerät ausprobieren durfte. Die Zahl der Menschen, die unter einer COPD leiden, wird allein in Deutschland auf sieben Millionen geschätzt.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.01.2016 | 19:30 Uhr